10 Gründe mehr pflanzlich zu essen

Häufiger vegetarisch oder vegan zu essen, lohnt sich aus vielen Gründen. Inga Pfannebecker hat für FOODFORUM ihre 10 wichtigsten Argumente zusammengestellt
Text: Inga Pfannebecker | Fotos: Unsplash

 

1. Veggies fehlt es an nichts!

Eine ausgewogene Ernährung ohne Mangelerscheinungen gelingt auch, wenn man auf tierische Lebensmittel verzichtet – darüber sind sich Ernährungsexperten heute einig. Sogar im Gegenteil: Viele Studien zeigen, dass Vegetarier und Veganer oft gesünder sind als Menschen, die Fleisch und andere tierische Produkte essen. Denn sie nehmen durch die pflanzenbasierte Kost einen höheren Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, guten Fetten und Ballaststoffen auf und essen weniger gesättigte Fette. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich pflanzlich ernährende Menschen im Durchschnitt auch seltener unter Übergewicht, Diabetes und ernährungsbedingten Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden. Wichtig dabei ist, dass tierische Produkte nicht einfach weggelassen, sondern sinnvoll durch pflanzliche Lebensmittel ersetzt werden. Im Prinzip gelten für eine ausgewogene pflanzenbasierte Kost die gleichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wie für Allesesser – mit dem Unterschied, dass bei Veganern Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Nüsse und Samen, bei Vegetariern zusätzlich noch Milchprodukte und Eier als Eiweißquellen dienen.
Lediglich vegan lebende Menschen, die langfristig vollständig auf tierische Produkte verzichten, sollten ihre Versorgung mit Vitamin B12 regelmäßig beim Arzt überprüfen lassen und bei Bedarf ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

2. Pflanzeneiweiß macht fit

Lange galten tierische Produkte wie Fleisch und Milch als unerlässlich für eine gute Eiweißversorgung. Schließlich entspricht ihre Eiweißzusammensetzung der unseres Körpers mehr als das aus pflanzlichen Quellen. Dadurch ist seine Wertigkeit besonders hoch, das heißt, der menschliche Körper kann es besonders gut verwerten. Pflanzeneiweiß hat eine niedrigere biologische Wertigkeit, aber: Geschickt kombiniert ergänzen sich pflanzliche Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte oder Produkte daraus, Kartoffeln, Vollkorngetreide, Nüsse und Samen optimal und liefern auf diese Weise ebenso alle wichtigen Aminosäuren. Clever gemixt sind pflanzliche Eiweißquellen insgesamt sogar wertvoller als das berühmte „kleine Steak“. Dazu liefern sie im Gegensatz zu tierischen Eiweißquellen gleichzeitig viele Ballaststoffe, gesunde Fette und wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, aber so gut wie keine gesättigten Fette. Das macht sie unter dem Strich sogar zu den besseren Protein-Lieferanten.

3. Pflanzen haben die bessere Ökobilanz

Egal, ob man den ökologischen Fußabdruck durch Treibhausgase oder die für die Produktion benötigten Mengen an genutzter Fläche und Wasser anschaut: Pflanzliche Lebensmittel schneiden hier im Vergleich zu Fleisch- und auch Milchprodukten fast immer und teilweise sogar deutlich besser ab. Während bei der Produktion von einem Kilogramm Gemüse durchschnittlich etwa 140 Gramm Treibhausgase entstehen, sind es bei Milch ca. 900 Gramm, bei Eiern ca. 1,7 Kilogramm, bei Butter ca. 2,3 Kilogramm, bei Käse ca. 8 Kilogramm und bei Rindfleisch sogar ca. 13 Kilogramm. Diese Zahlen zeigen ganz klar, wie sehr sich der ökologische Fußabdruck verkleinern lässt, wenn wir weniger tierische Produkte konsumieren. Genau ausrechnen kann man das mit Klimarechnern wie zum Beispiel „uba.co2-rechner.de“. Weniger oder gar kein Fleisch und andere tierische Produkte zu essen, ist daher aktiver Klimaschutz.

Mit Pflanzen können wir saisonaler kochen

Heimisches Obst und Gemüse sind fast das ganze Jahr über verfügbar – nicht immer alles, aber jede Sorte zu ihrer Zeit. So ändert sich der Speiseplan automatisch mit den Jahreszeiten, wenn pflanzliche Lebensmittel die Hauptsache auf dem Teller sind. Produkte der Saison haben im Vergleich zu Importware, wie zum Beispiel Erdbeeren oder Spargel im Winter, nicht nur viel mehr Aroma, sondern in der Regel auch mehr gesunde Nährstoffe, da sie reif geerntet und zeitnah gegessen werden. Darüber hinaus sind sie auch die bessere Wahl in Sachen Klimaschutz. Denn der Anbau im Treibhaus oder der Transport aus fernen Ländern kostet Energie und geht zu Lasten der Umwelt. Es lohnt sich also, sich saisonal zu ernähren und so nicht nur für gesunde, sondern auch nachhaltige Abwechslung auf dem Teller zu sorgen.

5. Mit Plant-based regionale Bauern unterstützen

Ein großer Teil der hierzulande konsumierten pflanzlichen Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte werden in Deutschland oder zumindest in Europa angebaut und schonen so durch kurze Transportwege die Umwelt und das Klima. Je kürzer die Wege, desto besser. Der Bauer um die Ecke hat hier also die Nase vorn und sein Überleben sichert im besten Falle auch noch die Pflege der Kulturlandschaft in unserer Lebensumgebung. Am meisten tut man daher für die Umwelt, wenn man sich auf den örtlichen Bauernmarkt begibt – zu Fuß oder mit dem Fahrrad – und dort beim Einkauf auf die Herkunft (und die Saison) achtet. Für viele „weitgereiste“ Produkte wie zum Beispiel Chiasamen gibt es europäische Alternativen wie Leinsamen, deren Transportwege deutlich kürzer sind.

6. Plant-based ist auch "bio" preiswerter

Tierische Lebensmittel sind in der Regel teurer als Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse sowie Gemüse und Obst der Saison. Wer auf Fleisch und Co. immer oder häufig verzichtet, spart daher beim Lebensmitteleinkauf Geld, das er zum Beispiel in pflanzliche Produkte in Bio-Qualität stecken kann. Das hat viele Pluspunkte: Der Verzicht auf chemische Wachstums- und Düngemittel im Bio-Anbau trägt zum Schutz von Tieren, Vögeln und Insekten wie Bienen bei und erhält so den Artenreichtum. Genmanipuliertes Saatgut wie zum Beispiel bei Soja ist bei bio nicht zugelassen. Und nicht zuletzt schmecken die Produkte oft besser, weil sie unter natürlichen Gegebenheiten wachsen. Allerdings sollten Verbraucher auch bei bio kritisch sein – macht es Sinn, Bio-Getreide aus Südamerika zu kaufen oder griechischen Bio-Spargel im Winter? Hier kann konventionelle Ware vom Bauern um die Ecke während der Saison die bessere Wahl sein.

7. Gemüse und Obst eignen sich prima für den TK-Vorrat

Tiefgekühltes Gemüse und Obst ist ideal als gesunder Vorrat und für die schnelle Küche. Denn erntefrisch eingefroren hat es oft sogar einen höheren Nährstoffgehalt als frische Produkte, die im Supermarkt oder zu Hause lange gelagert wurden. Tiefgekühltes kostet allerdings Energie bei der Herstellung und der Lagerung im Tiefkühlhaus. So gesehen sind frische Produkte für die Umwelt besser – aber nur, wenn sie aus der Region stammen und gerade Saison haben. Außerhalb der Saison und gegenüber Lebensmitteln, die lange Transportwege hinter sich haben, ist Tiefkühlware nicht klimaschädlicher als frische. Eine Hamburger Studie fand vielmehr heraus, dass die Klimabilanzen von frischem, tiefgekühltem und sogar Konservengemüse sich nur minimal unterscheiden: 1 Kilogramm frischer Spinat spart dieser Studie zufolge gegenüber tiefgekühltem gerade einmal so viel an Schadstoffemissionen wie eine 2 Kilometer lange Autofahrt. Wer also für den Einkauf sein Auto stehen lässt, darf getrost zum praktischen TK-Spinat greifen.

8. Mit Plant-based Ernährung lässt sich Verpackungsmüll sparen

Jeder Bundesbürger produziert heute im Schnitt rund 37 Kilogramm reinen Plastik-Verpackungsmüll. Und der landet dann in der Umwelt und letztlich über die Nahrungskette als zerriebener Mikromüll aus dem Meer wieder auf dem eigenen Teller. Um diesen Müllberg zu reduzieren, beim Einkauf also möglichst oft „ohne“ wählen. Das fällt bei pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Getreide leichter – sie werden auf dem Wochenmarkt, in Unverpackt-Läden und vermehrt auch in Supermärkten häufiger als offene Ware angeboten als die empfindlicheren tierischen Produkte. Für Obst und Gemüse findet man mittlerweile neben den Regalen fast überall Mehrweg-Stoffbeutel oder -netze für den Transport.

9. Das Tier als Produkt bedeutet Tierleid

Fleisch, Milch und Eier können nur in so großen Mengen und zum Schnäppchenpreis angeboten werden, weil die Tiere dafür größtenteils unter tierunwürdigen Bedingungen in Massenhaltung leben müssen. Allzu leicht lässt sich beim Einkauf verdrängen, dass hinter tierischen Produkten leidensfähige Lebewesen stehen, die in engen Käfigen und Ställen dahinvegetieren und mit Antibiotika und Hormonen behandelt werden, um möglichst viel Milch oder Eier zu liefern oder schnell schlachtreif zu werden. Wer immer oder immer öfter vegetarisch oder vegan isst, erspart den Tieren ein Leben unter solchen Bedingungen. Zudem spart man unter Umständen Geld, das man dann, falls es zu besonderen Anlässen mal tierische Produkte geben soll, in Lebensmittel aus artgerechter (Bio-)Haltung investieren kann. Das ermöglicht den Tieren ein tierwürdiges Leben.

10. Zu viel Fleisch ist ungesund

Während bei unseren Großeltern und Urgroßeltern Fleisch noch etwas Besonderes war, das nur an Sonn- und Feiertagen auf dem Tisch stand, ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland in den letzten 60 Jahren von 60 auf rund 90 Kilogramm pro Jahr gestiegen. Das bedeutet, dass jeder Deutsche im Durchschnitt dreimal so viel Fleisch isst wie die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen 300–600 Gramm Fleisch pro Woche. Das hat negative Folgen für die Gesundheit. Denn Studien zeigen, dass übermäßiger Fleischkonsum – vor allem von rotem Fleisch – das Risiko für Darmkrebs erhöhen kann. Die Gesundheitsorganisation der WHO hat rotes Fleisch deshalb als wahrscheinlich krebserregend und verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst und Würstchen als krebserregend eingestuft. Eine fleischlastige Ernährung mit viel Fett und Cholesterin erhöht außerdem die Anfälligkeit für Übergewicht sowie für Herz- und Gefäßerkrankungen. Weniger ist hier deshalb mehr. Wer nicht ganz verzichten will, sollte im Rahmen der von der DGE empfohlenen 300–600 Gramm pro Woche bleiben und eher helles Fleisch wie Geflügel wählen.

Redaktion
Inga Pfannebecker
Diplom-Ökotrophologin, Expertin für Food-News und Rezeptentwicklungen.
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