Die Planetary Health Diet

Den Planeten und die Gesundheit schützen

Wissenschaftler aus 16 Ländern haben gemeinsam einen Speiseplan erstellt, der den Planeten genauso schützen soll wie die Gesundheit der Menschen, die auf ihm leben. Was steckt hinter der sogenannten „Planetary Health Diet“?
Fotos & Text: Nina Schmidt

Rund 11 Millionen Menschen pro Jahr sterben an Ursachen, die mit einer gesünderen Ernährung vermeidbar gewesen wären – das ergibt sich zumindest aus den Berechnungen der EAT-Lancet Kommission. Diese hat 37 Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammengebracht und sie gefragt, wie eine Ernährung aussehen könnte, die den Planeten und den Menschen gleichermaßen schützt und gesund hält. Herausgekommen dabei ist die „Planetary Health Diet“.

Hierfür haben die Forscher konkrete Ziele formuliert. Zum Schutz des Planeten schlagen sie eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion vor. Unter anderem durch eine Dekarbonisierung der Wertschöpfungskette, Recycling von Stickstoff und Phosphor, einer 50%igen Reduktion der Lebensmittel, einer Verringerung des weltweiten Treibhausgasausstoßes und einer Einschränkung der Frischwassernutzung.

Erreicht werden soll und kann das laut den Wissenschaftlern, wenn Menschen auf der ganzen Welt ihre Ernährungsgewohnheiten verändern: Europäer und Nordamerikaner müssten beispielsweise ihren Konsum von rotem Fleisch deutlich einschränken, Ostasiaten dürften weniger Fisch essen.

Die EAT-Lancet Kommission konkretisiert ihre Vorstellungen, indem sie einen kompletten Ernährungsplan zur Verfügung stellt. Unterteilt ist er in Lebensmittelgruppen, der empfohlenen Menge pro Tag in Gramm und den entsprechenden Kalorie:
LebensmittelgruppeEmpfohlene Menge pro Tag in Gramm

(in Klammern: mögliche Spannbreiten)
Kalorienaufnahme pro Tag (in Kcal)
Kohlenhydrate
Vollkorngetreide232811
Stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok)50 (0-100)39
Gemüse300 (200-600)78
Obst200 (100-300)
126
Proteinquellen
Rind-, Lamm- oder Schweinefleisch14 (0-28)
30
Geflügel29 (0-58)62
Eier13 (0-25)19
Fisch28 (0-100)40
Hülsenfrüchte75 (0-100)284
Nüsse50 (0-75)291
Milchprodukte (Vollmilch oder aus dieser Menge hergestellte Produkte)250 (0-500)153
Fette
Ungesättigte Fette (Oliven-, Raps-, Sonnenblumen-, Soja-, Erdnuss-, Traubenkernöl40 (20-80)354
Gesättigte Fette (Palmöl, Schmalz, Talg)11,8 (0-11,8)
96
Zugesetzter Zucker
Alle Süßungsmittel31 (0-31)120

Quelle: EAT Lancet Kommission

Der Plan entstand nach umfassenden Literaturrecherchen, Vergleichen mit anerkannten Ernährungsempfehlungen und Analysen der Ergebnisse aus der Gesundheitsforschung.

Zusammengefasst basiert der empfohlene Plan auf einer pflanzenbasierten Ernährungsweise aus Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen. Die Hauptproteinquelle soll dabei nicht Fleisch, sondern Hülsenfrüchte darstellen. Ungesättigte Fettsäuren sollen bei den Fetten den größten Anteil einnehmen und Süßungsmittel nur sparsam eingesetzt werden. Der Plan entspricht im Prinzip der „flexitarischen“ Ernährungsform. Flexitarier essen vorwiegend pflanzenbasiert, lehnen die Massentierhaltung ab, möchten die Umwelt schützen, die eigene Gesundheit fördern und trotzdem nicht komplett auf Fleisch verzichten.

Wichtig zu wissen ist, dass der Plan kein klassischer Tagesplan ist, sondern einen wöchentlichen Durchschnitt pro Tag abbildet. 13 Gramm Ei entsprechen beispielsweise nur einem Viertel Ei der Klasse M. So isst natürlich niemand – an den meisten Tagen der Woche auf Ei zu verzichten und dann einmal ein Omelett zu essen, funktioniert aber.

Umsetzbarkeit fraglich

Die Planetary Health Diet kann allerdings nur eine Richtlinie sein. Denn obwohl im Plan gesunde „Spannweiten“ angegeben sind, die die Ernährungsweise flexibel und besser umsetzbar machen sollen, ist das für viele Menschen immernoch schwierig bis nicht machbar. Einmal, da er einer Kalorienaufnahme von 2500 Kcal am Tag entspricht. Das kann für einen Schwerstarbeiter viel zu wenig sein, für einen Büroangestellten aber zu viel. Und außerdem, da die Menschen in vielen Ländern wesentlicher weniger Kalorien zur Verfügung haben und sich nicht aussuchen können, was sie essen. In vielen afrikanischen Ländern wird jetzt beispielsweise das Siebenfache der in der Planetary Health Diet empfohlenen Menge an stärkereichen Pflanzen konsumiert – Alternativen dafür, diese Kalorien zu ersetzen sind vielerorts aber einfach nicht gegeben.

Würde die Planetary Health Diet aber global befolgt werden, könnten laut der Forscher viele ernährungsmitbedingte Erkrankungen, die schlimmstenfalls zum Tod führen, gar nicht erst entstehen. Somit seien jährlich circa 11 Millionen Tode durch Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes vermeidbar.

Die Vorstellung einer gesunden Ernährung der Planetary Health Diet deckt sich auch mit beispielsweise der der Weltgesundheitsorganisation. Dass sie in naher Zukunft weltweit umgesetzt werden kann, ist unrealistisch. Das weiß auch die EAT Lancet Kommission. Daher appelliert sie auch an Machthaber aus Politik und Wirtschaft, langfristig nachhaltiger zu agieren, auf fossile Brennstoffe verzichten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen. Laut der Forscher wäre dies die einzige Möglichkeit, die 2050 erwarteten 10 Milliarden Erdenbewohner nachhaltig ernähren zu können.

Auf dem Speiseteller kann die Planetary Health Diet zum Beispiel so aussehen:

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