Superfood selber zĂŒchten

Home Gardening: Microgreens & Co

Sich mit frischem GrĂŒnzeug selbst zu versorgen, gelingt auch dann, wenn man keinen eigenen Garten hat. Denn der Anbau von Microgreens, Sprossen und Co erfordertweder viel Platz noch viel Zeit oder einen grĂŒnen Daumen.
Text: Simonetta Zieger | Fotos: unsplash

Oft sind KrĂ€uter, GemĂŒse und Salate schon angewelkt, wenn man sie kauft – trotz der teilweise aufwendigen Verpackung in Plastikfolie oder KunststoffbehĂ€ltern. Oder das GrĂŒnzeug wird binnen kurzer Zeit im GemĂŒsefach des KĂŒhlschranks lasch und unansehnlich. Vom schnellen Vitaminverlust ganz zu schweigen. Immer mehr gesundheits- und umweltbewusste Menschen wollen sich daher mit frischem GrĂŒn gern selbst versorgen. Doch was tun, wenn man keinen eigenen Garten oder keine Möglichkeit zu Urban Gardening, dem (gemeinschaftlichen) GĂ€rtnern in der Stadt, hat? Die Antwort darauf kommt aus den USA: Home Gardening.

Volle Pflanzenpower in Microgreens

Der große Vorteil von Micorgreens: Die in einem frĂŒhen Wachstumsstadium geernteten PflĂ€nzchen bieten nicht nur geschmacklich (scharf bis sĂŒĂŸ) und optisch (wegen ihrer verschiedenen Farbtöne) eine Menge, sondern auch inhaltlich. So stecken in Rotkohl-Keimlingen 260-mal mehr Beta- Carotin, außerdem 6-mal mehr Vitamin C und 40-mal mehr Vitamin E pro Gramm als im ausgewachsenen Rotkohl.

Mit Ă€hnlichen Vitamin-Werten können auch die anderen GemĂŒsekeimlinge protzen. Dazu kommt noch eine geballte Ladung an Mineral- und sekundĂ€ren Pflanzenstoffen. In GemĂŒsekeimlingen steckt nĂ€mlich die volle Power, die die Pflanzen brauchen, um groß zu werden.

Und damit ihre gesunden, hochkonzentrierten Inhaltsstoffe auch uneingeschrĂ€nkt zur Wirkung kommen, werden Microgreens am besten frisch geerntet und roh genossen. Sei es in Salaten, Quark und FrischkĂ€se, als Topping auf Broten, als Garnierung fĂŒr Speisen oder als Zutat in Smoothies

Home Gardening: Best of Keimlinge

SorteGeschmackEinweichzeitKeimzeit
Alfalfanussig, frisch6–8 Tage
Bockshornkleeleicht bitter, aromatisch bis scharf2–4 Tage
Brokkolimild, zarte Brokkolinote3–8 Tage
Linsenleicht nussig6 Stunden4–6 Tage
Mungobohnenknackig, frisch12 Stunden4–5 Tage
RadieschenwĂŒrzig, scharf12 Stunden4–5 Tage
Rettichpikant1–3 Stunden2–10 Tage
Rucolaintensiv, wĂŒrzig3–5 Tage

Kaum Platz und Pflege nötig

Ein weiterer Vorteil von Microgreens ist, dass sie im Vergleich zu herkömmlichem GemĂŒseanbau kaum Platz und Pflege brauchen. Eine flache Anzuchtschale auf der Fensterbank oder an einem anderen hellen Standort reicht aus, um die gesunden Fitmacher heranzuziehen.

GemĂŒsesamen und SchĂ€lchen oder auch komplette Anzuchtsets gibt’s zum Beispiel bei www. heimgart.com, www.growgrownut.com oder www.keimgruen.de zu kaufen. Wer keinerlei gĂ€rtnerisches Equipment zur VerfĂŒgung hat, kann auch eine Auflaufform oder eine lĂ€ngs aufgeschnittene SafttĂŒte benutzen.

In das jeweilige GefĂ€ĂŸ wird dann etwas Anzuchterde (etwa 2 cm hoch) oder ein Saatpad gegeben. Darauf werden die GemĂŒsesamen dicht ausgesĂ€t, leicht angedrĂŒckt und wĂ€hrend der ganzen Keimphase gleichmĂ€ĂŸig feucht gehalten. Doch Vorsicht vor zu viel NĂ€sse, da die Keimlinge sonst zu schimmeln anfangen! Nach ein bis zwei Wochen, wenn sich die zarten (Keim-)BlĂ€tter ausgebildet haben, sind die Microgreens erntereif. Mit einer Schere oder einem scharfen Messer werden die Keimpflanzen nun behutsam abgeschnitten. Die Wurzeln bleiben wie auch bei den GrĂŒnsprossen (siehe Kasten) in der Erde bzw. im Saatpad zurĂŒck und können auf dem Kompost oder im Bio-MĂŒll entsorgt werden.

Home Gardening mit KrÀutern und Salat

Wer etwas mehr Platz zu Hause hat, kann auch Salat und KrÀuter gut selbst anbauen.

Ganz klassisch klappt das natĂŒrlich in einem mit Erde gefĂŒllten Topf oder Blumenkasten und regelmĂ€ĂŸigem BewĂ€ssern. FĂŒr einen Anbau ohne Erde bieten sich sogenannte Hydroponik-Systeme an. Hier versorgen sich die Pflanzen selbst mit allem, was sie zum Wachsen brauchen. Denn sie hĂ€ngen mit ihren feinen Wurzeln in einem BehĂ€lter mit Wasser, das mit NĂ€hrstoffen angereichert ist. GemĂŒse und KrĂ€uter wachsen so dreimal schneller und verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Wasser.

Wer sich fĂŒr Hydroponik-Systeme interessiert, sollte sich vorab nur ĂŒberlegen, welche Pflanzen fĂŒr den Anbau zu Hause in Frage kommen (eher schnellwachsende, niedrige wie Salate und KrĂ€uter oder eher hochwachsende wie Tomaten). Danach bestimmt sich die Auswahl des Systems. Auf www.kuechenfrisch.de oder www.ponixsystems. at gibt es eine große Auswahl an verschiedensten Systemen fĂŒr das Home- Farming-Projekt.

Redaktion
Simonetta Zieger
ErnĂ€hrungswissenschaftlerin (B.Sc.), Expertin fĂŒr Kochen und Rezepte
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