Rindfleisch in der ├ľkobilanz

Rinder mu╠łssen viel fressen, beno╠łtigen gro├če Mengen an Wasser und Fla╠łche und scheiden klimascha╠łdliche Gase aus. FOODFORUM nennt drei Wege, wie wir den Rindfleischkonsum o╠łkologisch vertretbarer gestalten ÔÇô und das Tierwohl im Blick behalten
Text: Simonetta Zieger | Fotos: unsplash / Monika Kubala

Die O╠łkobilanz von Fleisch ist schlecht. Trauriger Spitzenreiter ist Rindfleisch. Denn im Vergleich zu Schweinen und Geflu╠łgel beno╠łtigt die Mast von Rindern ein Vielfaches an Futter, Fla╠łche und Wasser. Die Umweltwissenschaftlerin Christiane Huxdorff bescha╠łftigt sich als Kampaignerin bei Greenpeace mit Themen rund um nachhaltige Landwirtschaft. Aus ihrer Sicht tragen klimascha╠łdliche Gase, die durch die Rindermast entstehen, in besonderem Ma├če zur schlechten O╠łkobilanz bei. ÔÇ×Auf der einen Seite haben wir die Kuh selbst und ihre VerdauungÔÇť, sagt sie und erkla╠łrt: ÔÇ×Rinder ru╠łlpsen beispielsweise hohe Mengen Methan, das rund 21-mal scha╠łdlicher fu╠łr das Klima ist als CO2ÔÇť.

Laut der Erna╠łhrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) werden durch die Viehzucht immerhin 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgase produziert. Beachtliche 39 Prozent hiervon stammen direkt aus dem Verdauungstrakt von Wiederka╠łuern ÔÇô und hier allen voran von Rindern. Dem gegenu╠łber stellt Huxdorff die Emissionen, die bei der Produktion und dem Transport von Futtermitteln entstehen, und die machen etwa 45 Prozent aller Treibhausgase der Fleischproduktion aus. Neben der Erzeugung klimascha╠łdlicher Gase werden im Zuge der Rindermast aber zusa╠łtzlich auch noch Unmengen an Wasser beno╠łtigt. Die Heinrich Bo╠łll Stiftung hat diesen Wasserverbrauch in ihrem im Januar 2021 vero╠łffentlichten Fleischatlas hochgerechnet und mit dem Wasserverbrauch verglichen, der bei der Haltung anderer Tierarten sowie beim Anbau pflanzlicher Lebensmittel anfa╠łllt. Wa╠łhrend seines kurzen, nur dreija╠łhrigen Lebens trinkt ein Rind ca. 24 000 Liter Wasser. Hinzu kommt ÔÇô je Rind ÔÇô der Wasserverbrauch fu╠łr den Anbau von 1300 kg Kraftfutter sowie 7200 kg Raufutter, also Gras oder Heu. Auch Wasser, das zur Reinigung der Sta╠łlle beno╠łtig wird, muss einkalkuliert werden. Auf diese Weise la╠łsst sich der Wasserverbrauch je Kilogramm Rindfleisch hochrechnen: Es sind sage und schreibe 15 415 Liter laut Fleischatlas 2021. Bei (Bio-)Rindern, die auf der Weide stehen und hauptsa╠łchlich Gras fressen, ist es weniger als bei solchen, die mit Soja von U╠łbersee sowie Getreide und Mais gefu╠łttert werden.

Grundsa╠łtzlich sollte beim Einkauf von Lebensmitteln darauf geachtet werden, dass sie drei Kriterien erfu╠łllen, also bio, regional und saisonal sind.

ÔÇô Greenpeace-Kampaignerin Christiane Huxdorff

Gro├čer Unterschied im Wasserverbrauch

Der Vergleich zu anderen Tierarten sowie pflanzlichen Lebensmitteln zeigt: Fu╠łr die Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch werden ÔÇ×nurÔÇť knapp 6000 Liter und fu╠łr die gleiche Menge Hu╠łhnerfleisch ÔÇ×nurÔÇť gut 4300 Liter beno╠łtigt. Bei Hu╠łlsenfru╠łchten sind es ungefa╠łhr 4100 Liter, bei Getreide ca. 1600 Liter und fu╠łr Gemu╠łse beno╠łtigt man in der Produktion gerade mal 322 Liter Wasser je Kilogramm. Die Zahlen machen erneut deutlich, was seit langem bekannt ist: Rindfleisch schadet dem Klima. Ho╠łchste Zeit, den Konsum zu u╠łberdenken. Diese drei Konzepte ko╠łnnen dabei helfen ÔÇô wenngleich eine Reduktion am effektivsten und wirksamsten bleibt: Wissenschaftler des Instituts fu╠łr o╠łkologische Wirtschaftsforschung (IO╠łW) analysierten 2008 zwo╠łlf Studien, um Unterschiede bezu╠łglich der Emissionen in der o╠łkologischen und konventionellen Rindermast herauszuarbeiten.

Das Ergebnis: Die Treibhausgase, die bei der Produktion von Rindfleisch anfallen, sind bei Bio-Produkten oft geringer als bei konventionell produzierten. Dennoch kann Rindfleisch mit Bio-Label einen vergleichsweise ho╠łheren CO2-Fu├čabdruck haben. Der Grund hierfu╠łr sei die la╠łngere Lebensdauer von Bio-Rindern, sagen die Autoren der U╠łbersichtsarbeit. Denn wa╠łhrend dieser Zeit sto├čen sie mehr klimascha╠łdliches Methan aus als Rinder aus konventioneller Haltung. Denn die leben ku╠łrzer. Einen gro├čen Vorteil hat Bio-Rindfleisch aus Sicht der Umweltwissenschaftlerin Christiane Huxdorff aber garantiert. ÔÇ×Eine konventionelle Kuh wird mit etwas gefu╠łttert, das auch von uns Menschen als Lebensmittel konsumiert werden ko╠łnnte. Oder auf der beno╠łtigten Fla╠łche zur Haltung ha╠łtten pflanzliche Lebensmittel fu╠łr den menschlichen Verzehr angebaut werden ko╠łnnenÔÇť, erkla╠łrt sie. ÔÇ×Bio-Rinder hingegen verbringen deutlich mehr Zeit auf der Weide und werden zusa╠łtzlich mit Heu oder Silage gefu╠łttert. Dadurch stehen sie deutlich weniger in Futterkonkurrenz zu uns Menschen.ÔÇť Hinzu kommen ein niedrigerer Wasserfu├čabdruck sowie das Argument des Tierwohls, da O╠łko-Haltungen im Vergleich zu konventionellen Haltungsformen oft mehr Platz und Weidegang bieten.

Foto: Quellen: Wegener, J. (2006) S. 12-14, Gra k IO╠łW | BMELV (2007a), Gra k IO╠łW | shutterstock: Zhenyakot, Olzas

Weniger Abf├Ąlle danke "From Nose to Tail"

Der essbare Anteil von Rindern liegt bei ungefa╠łhr 50 Prozent. Ziel des Konzepts ÔÇ×From Nose to TailÔÇť (Deutsch: von Nase bis Schwanz) ist es, diesen Anteil zu erho╠łhen, indem Schlachtabfa╠łlle reduziert werden. Denn: Je mehr Teile verwendet werden, desto ÔÇ×besserÔÇť ist die O╠łko-Bilanz je verzehrtem Kilogramm Fleisch. Im Fokus stehen insbesondere Innereien, deren Konsum innerhalb von 30 Jahren um beachtliche 90 Prozent gesunken ist. Demnach landen Fleischreste wie Euter, Nieren oder Pansen immer seltener auf dem Teller und immer ha╠łufiger in Hundefutter oder im Ausland. Notwendige weitere Verarbeitungsschritte sowie lange Exportwege verschlechtern dann die O╠łkobilanz von Rind eisch zusa╠łtzlich. Dem wirkt die ÔÇ×From Nose to TailÔÇť- Bewegung entgegen.

Indem Ko╠łche Innereien und unliebsame Stu╠łcke wie beispielsweise Schwanz, Zunge, Euter, Pansen oder Herz verarbeiten, reduzieren sie Schlachtabfa╠łlle. Daru╠łber hinaus hat das Konzept zwei weitere Vorteile. Zum einen wertscha╠łtzen die Konsumenten das geschlachtete Tier deutlich mehr. Und zum anderen ko╠łnnen neue Menu╠ł-Kreationen mit Innereien manche in Vergessenheit geratenen Rezepte wiederbeleben und auf diese Weise fu╠łr kulinarische Highlights sorgen. Bewusste Fleischesser kaufen ihr Rindfleisch also am besten dort, wo sie alles u╠łber Herkunft und Haltung erfahren ko╠łnnen, zum Beispiel beim Metzger oder dem Bio-Bauernhof von nebenan.

Zahlen & Fakten aus dem Fleischatlas 2021 der Heinrich Bo╠łll Stiftung
  • 3,4 Mio. Rinder wurden 2019 in Deutschland geschlachtet (55,1 Mio. Schweine und 652,7 Mio. Hu╠łhner).

 

  • Im Vergleich zu Getreide ist der Wasserfu├čabdruck pro Kalorie bei Rindfleisch 20-mal ho╠łher.

 

  • Je nach Produktionstyp werden fu╠łr ein Kilogramm Rindfleisch ungefa╠łhr 15.415 Liter Wasser beno╠łtigt

 

Rind-Sharing durch Crowdbutching

Im Internet gibt es zudem Angebote, bei denen Rinder erst geschlachtet werden, wenn genu╠łgend Fleisch-Abnehmer fu╠łr alle Teile gefunden wurden. Auf diese Weise werden Schlachtabfa╠łlle reduziert, weil mo╠łglichst alle Teile der Tiere auf die registrierten Konsumenten aufgeteilt werden. Daher stammt auch der Begriff Crowdbutching, der so viel bedeutet wie Crowdfunding beim Schlachten (= butching). Unter www.meinbiorind.de ko╠łnnen sich Verbraucherinnen und Verbraucher beispielsweise zwischen Auerochsen-, Galloway- und Weiderind-Sharing entscheiden. Der Rindfleischkauf u╠łber www.grutto.com (ehemals: www.kaufnekuh.de) funktioniert auf die gleiche Weise ÔÇô aus konventioneller und biologisch-dynamischer Haltung.

Crowdbutching-Konzepte bringen somit bewusste Konsumenten zusammen und ermo╠łglichen ihnen durch transparente Information und offene Kommunikation, sich ganz bewusst zu entscheiden: Egal ob bio, regional oder ÔÇ×From Nose to TailÔÇť ÔÇô der Crowdbutching-Verbraucher wa╠łhlt selbst, was bei ihm in der Pfanne, im Ofen, auf dem Grill und schlie├člich auf dem Teller landet.

FAZIT: Rindfleisch kommt aus Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten schlechter weg als alle anderen Fleischsorten und auch pflanzliche Lebensmittel. Konsumenten, die dennoch nicht komplett darauf verzichten mo╠łchten, sollten auf biologische und regionale Erzeugung achten. Konzepte wie ÔÇ×From Nose to TailÔÇť und ÔÇ×CrowdbutchingÔÇť ko╠łnnen Schlachtabfa╠łlle reduzieren und somit die O╠łkobilanz zusa╠łtzlich etwas schma╠łlern.
Redaktion
Simonetta Zieger
Ern├Ąhrungs- und Gesundheitswissenschaftlerin (M.Sc.), Expertin f├╝r Nachhaltigkeit, Gesundheitsf├Ârderung und Rezepte
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