Nachhaltig Fisch essen

Welchen Fisch kann man noch essen?

Laut DGE soll Fisch zweimal pro Woche auf den Tisch. Andererseits stehen Überfischung, Artensterben und umweltschädlicher Fischfang zu Recht in der Kritik. Wir wollten wissen: Welchen Fisch kann man noch ohne Reue essen?
Text: Simonetta Zieger | Fotos: unsplash / Jeremy Stuart

Für Pescetarier ist die Sache klar: Fleisch essen sie nicht. Fisch dagegen schon. Die Gründe sind vielfältig. Von Tier- über Umweltschutz bin hin zur fairen Produktion sind alle Argumente vertreten. Warum aber genau diese eine Ausnahme vom Vegetarismus? Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist Fisch ein echtes Superfood voller ungesättigter Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und hochwertiger Proteine. Hinzu kommen der leckere Geschmack sowie das Image eines Luxus-Lebensmittels. Vor allem der Konsum von Lachs ist deswegen gestiegen. Dahinter steckt eine riesige Marketing-Kampagne. Nachhaltig ist das keineswegs mehr. Die Nachfrage nach Lachs übersteigt bei weitem das Angebot.

Tipp: Einkaufsratgeber fĂŒr Fisch nutzen

Warum eigentlich immer Lachs? Es gibt doch so viele andere (nachhaltige!) Fischarten. In den Einkaufsratgebern vom WWF (World Wide Fund For Nature) und von Greenpeace sind jeweils mehr als 70 Fischarten aufgeführt. Eine einfache Kennzeichnung mit roter Farbe soll den Verbraucher bereits beim Einkaufen darauf aufmerksam machen, der Verzehr welcher Fischarten nicht nachhaltig möglich ist. Dazu gibt es auch noch Erklärungen zu den Ausnahmen, etwa bestimmte Fanggebiete und -methoden. So stufen beide Einkaufsratgeber Thunfisch als allgemein nicht empfehlenswert ein. Alle, die dennoch nicht darauf verzichten möchten, finden aber ebenfalls Ausnahmen, die als vertretbar gelten. Dazu zählen laut Greenpeace-Fischratgeber etwa der Gelbflossenthunfisch aus dem Nordwest- und Nordostpazifik sowie dem West- und Zentralpazifik. Für uns Verbraucher bedeutet das, beim Einkaufen genau hinzuschauen oder nachzufragen. Denn bei unverarbeitetem und tiefgekühltem Fisch ist die Angabe von Fanggebiet und Fangmethode seit 2002 Pflicht. So hat die Welternährungsorganisation (FAO) die Weltmeere in 19 Fanggebiete aufgeteilt und jeweils mit einem Zahlencode benannt. Da die Fischbestände in diesen riesigen Fanggebieten allerdings unterschiedlich nachhaltig befischt werden und in unterschiedlichem Zustand sind, muss der Verbraucher noch einen Schritt weiter gehen und sogenannte Sub-Fanggebiete anschauen.

Die Qual der Fischwahl..

.. soll Verbrauchern nach Ansicht von Greenpeace und WWF
beim Einkaufen erleichtert werden. Hierfür haben beide Organisationen ihre eigenen Einkaufsratgeber entwickelt – als App, im Web oder als Broschüre. Der Einkaufsratgeber von Greenpeace unterteilt die verschiedenen Fischarten in„vertretbar (wenn Fisch, dann dieser)“ und „nicht vertretbar (Finger weg, nicht nachhaltig)“. Der WWF hingegen spricht in seinem Ratgeber von „Gute Wahl“, „Zweite Wahl“ und „Lieber nicht“.

Hier gibt’s die Ratgeber: Fischratgeber WWF und Fischratgeber Greenpeace

Nachhaltige Fischwahl ist möglich

Mit dieser Information und den genannten Einkaufsratgebern ist eine nachhaltige Fischwahl also möglich – wenn auch sehr aufwendig. Einkaufen mit Fisch- Einkaufsratgebern und Lupe fürs Kleingedruckte? Klingt eher nach Schnitzeljagd im Supermarkt als nach entspanntem Einkauf. Das sieht auch die Verbraucherzentrale so. Deswegen setzt sie sich für ein „einheitliches, rechtlich geregeltes Kennzeichnungssystem für den nachhaltigen Fischkauf“ ein. Damit könnten Verbraucher schnell verständliche Informationen erhalten und eine fundierte Kaufentscheidung treffen. Die Verbraucherzentrale will, dass Fisch und Fischerzeugnisse alle Informationen zu Nachhaltigkeitskriterien bei Fang und Aquakultur verpflichtend enthalten und sieht die Politik in der Pflicht, diese Schritte gesetzlich einzuleiten.

Siegel fĂŒr nachhaltigen Fischkonsum

Bis eine solche ausführliche Kennzeichnung verpflichtend wird, liegt es also
nach wie vor an jedem einzelnen von uns, sich zu informieren und sich mithilfe der Fischratgeber mit Fanggebieten und Fangmethoden auseinander zu setzen. Für mehr Nachhaltigkeit auf einen Blick sollen zudem das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) für Wild sch sowie das ASC-Siegel (Aquaculture Stewardship Council) für Zucht sch sorgen. Und obwohl 65 Prozent aller Verbraucher in Deutschland das MSC-Siegel kennen und ihm vertrauen, geriet es 2018 in Verruf. Der Vorwurf: Der MSC garantiere keine unabhängige Zertifizierung, da die Fischereien, die das Siegel für nachhaltige Fischerei erhalten wollen, selbst die Zertifizierer bezahlen müssten. Am Ende lautet also auch hier die Devise: Fisch lieber in Maßen und bewusst genießen.

Redaktion
Simonetta Zieger
ErnĂ€hrungswissenschaftlerin (B.Sc.), Expertin fĂŒr Kochen und Rezepte
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