Nachhaltig leben durch neue Bio-Trends

Von Local Exotics bis Zero Waste

Nachhaltig leben wird für immer mehr Menschen immer wichtiger – hier stellen wir die vier neuesten Bio-Trends vor, die den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit erfüllen. Dabei spielen vor allem vegane Ersatzprodukte und Müllvermeidung eine große Rolle.
Fotos & Text: FOODFORUM : Ernährung und Gesundheit

Trend 1: Vegan & Veggie: Ersatzprodukte für ein nachhaltiges Leben

Eine pflanzliche Ernährung wird immer beliebter: Im vergangenen Jahr 2021 ernährten sich laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 10 % der deutschen Bevölkerung vegetarisch und 2 % vegan – jeweils doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor!  Täglich sollen es laut Schätzungen etwa 200 mehr Veganer:innen werden. Das sind aktuell mehr als 10 Millionen Menschen, die sich für eine Ernährung ohne Fleisch und Fisch beziehungsweise gänzlich ohne tierische Produkte entscheiden. Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 %) bezeichneten sich vergangenes Jahr als Flexitarier:innen – entscheiden sich also ganz bewusst für weniger tierische Lebensmittel auf dem Teller. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Angebot an veganen Produkten und Lebensmitteln wider: So ist der Umsatz mit veganen Produkten mit jährlichen Zuwachsraten von durchschnittlich 17 % seit 2010 auf einen Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro gestiegen.

Vor allem der Trend zu Ersatzprodukten für tierische Produkte setzt sich immer mehr durch. Die Lebensmittelindustrie ist – angetrieben durch innovative Start-ups – auf den Zug aufgesprungen, Produkte aus Fleisch, Fisch und Eiern durch immer ausgeklügeltere Produkte aus nichttierischen Ausgangsprodukten zu ersetzen: Von Burger-Patties aus Erbsen über Ei-Ersatzpulver aus Stärke über veganem Käse auf Cashewbasis bis hin zu Fisch aus Seitan oder Garnelen aus Yamswurzel – der Markt an pflanzlichen Alternativprodukten wächst Tag für Tag. Auch an veganen Fertigprodukten (Gebäck, Mayonnaise, Dips, Soßen, Süßigkeiten, Brotaufstriche) gibt es mittlerweile eine große Auswahl. Angetrieben wird der Trend durch ein vor allem bei den jüngeren Generationen wachsendes Gesundheits- und Umweltbewusstsein mit dem Wunsch nach einem nachhaltigen Leben, aber auch durch den Wandel ethischer Normen und Werte, die mittlerweile nicht mehr mit der industriellen Tierzucht und Fleischproduktion zu vereinbaren sind.

Trend 2: Nachhaltig leben mit Milchalternativen

Der Trend der pflanzlichen Alternative zu klassisch tierischen Produkten ist besonders beim Thema Milch stark ausgeprägt. Die aktuell auf dem Markt erhältliche Pflanzenmilch ähnelt Kuhmilch nicht nur in Bezug auf Konsistenz, Optik und Geschmack, sondern ist auch genauso vielfältig verwendbar. Mittlerweile gibt es sogar eine Reihe Barista-Versionen, die den perfekten veganen „Milch“-Schaum garantieren. Egal ob Reis-, Soja-, Hafer-, Mandel-, Kokos-, Dinkel-, Erbsen-, oder Hanfmilch: Auch in puncto Nachhaltigkeit in Bezug auf Flächenbedarf, Wasserverbrauch und CO2-Ausschüttung ist die Herstellung von Pflanzenmilch dem der Kuhmilch weit überlegen (bspw. Pro Liter: 3,2kg CO2 Kuhmilch, 0,9kg CO2 Hafermilch – 9 m² Flächenbedarf Kuhmilch, 0,8 m² Hafermilch – 628 Liter Wasserverbrauch Kuhmilch, 48 Liter Hafermilch).

Mandelmilch ist durch ihren süßlichen Geschmack eine der beliebtesten Milchalternativen.

Trend 3: Zero waste & Nachhaltigkeit

Nachhaltig leben steht in engem Zusammenhang mit dem Vermeiden unnötigen Mülls: Das zentrale Motto nachhaltigen Konsumierens von morgen lautet daher Zero Waste. Und obwohl Mülltrennung in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist und auch Recycling gut funktioniert, ist Deutschland beim Thema Plastikmüll leider kein Vorreiter. Im Gegenteil: Europaweit zählen wir zu der Gruppe der stärksten Plastikmüllerzeuger. Die Cradle-to-Cradle-Philosophie (Kostbare Ressourcen werden nicht verschwendet, sondern wieder verwendet) und die sich weiterentwickelnde Vision der Sharing Economy sind die treibenden Kräfte hinter der Idee, Müll oder scheinbaren Müll nicht nur wiederzuverwerten oder zu recyceln, sondern gar nicht erst anfallen zu lassen. Kurze Transportwege, umweltfreundliche Verpackungen, oder gleich gar keine: Nachhaltig leben wird jedes Jahr wichtiger und die Nachfrage, beispielweise nach Unverpacktläden, steigt.

Angetrieben wird der Trend zu mehr Nachhaltigkeit durch ein wachsendes Gesundheits- und Umweltbewusstsein. Vor allem junge Generationen wünschen sich ein nachhaltiges Leben und vertreten Werte, die mittlerweile nicht mehr mit der industriellen Tierzucht und Fleischproduktion zu vereinbaren sind.

Trend 4: Nachhaltig leben durch Local Exotics statt Superfood

Superfood aus fernen Ländern steht in Sachen Nachhaltigkeit zu Recht in der Kritik. Kein Wunder – der ökologische Fußabdruck von Chia, Açai, Goji und Co. fällt groß aus. Denn es fallen lange Transportwege an, bis die exotischen Lebensmittel bei uns auf dem Teller landen. Das verursacht einen höheren CO2-Ausstoß als vergleichbare Lebensmittel aus der Region. Auch die Anbaubedingungen entsprechen in vielen Fällen nicht europäischen Standards. Ein großes Problem ist bei vielen Superfoods der hohe Wasserverbrauch, der beispielsweise bei Chiasamen nicht nur durch künstliche Bewässerung beim Anbau, sondern auch bei der Reinigung der Samen nach der Ernte anfällt. Das führt in den Anbaugebieten häufig zu Wassermangel.

Heimische Hirse, Sanddorn und Leinsamen stehen exotischem Superfood in nichts nach.

Die Gegenbewegung ist der Trend der Local Exotics. Es gibt bereits heute einige Vorreiter wie Quinoa, Chiasamen und Cranberrys, die schon hier in Deutschland angebaut werden können. Herausragende Mengen an gesundheitsförderlichen Nährstoffen liefern aber auch viele heimische Alternativen wie Leinsamen oder Grünkohl, die ohne lange Transportwege auskommen. Sie können unsere Ernährung ebenso bereichern wie Chia, Açai und Co. Lange Zeit standen sie im Schatten ihrer exotischen Kollegen. Zu Unrecht, denn auch heimische Lebensmittel wie Leinsamen, Sanddorn oder Hirse sind Superfoods – auch wenn sie nicht unbedingt als solche beworben oder vermarktet werden. Sie haben jede Menge gesunde Inhaltsstoffe und können es in Sachen Nährstoffgehalt und Geschmack locker mit den Partnern aus Übersee aufnehmen. Oft sind sie zudem preiswerter als exotische Produkte und aufgrund strengerer Gesetze und Kontrollen weniger mit Schadstoffen belastet. Sie sind deshalb gleich aus mehreren Gründen eine gute Alternative. Es lohnt sich also, das nächste Mal statt zu Quinoa zur guten alten Hirse zu greifen oder die Gojibeeren durch die heimische Sanddornbeere auszutauschen. So funktioniert nachhaltig leben ohne den Verzicht auf leckere Nährstoffbomben mit Gesundheitsplus.

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