SchĂ€tzungen zufolge hat etwa jede vierte Frau zwischen 25 und 45 Jahren mit Akne-Erscheinungen zu kĂ€mpfen. Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann informiert ĂŒber Ursachen und Behandlung der Akne und erklĂ€rt, wie die richtige ErnĂ€hrung bei Akne helfen kann.
Text: Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann | Fotos: jmexclusives / pixabay

 

 

Die Expertin: Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann

Prof. Dr. Michalea Axt-Gadermann ist Dermatologin und Expertin fĂŒr Darmgesundheit. Sie lehrt integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg und ist Autorin mehrerer BĂŒcher zum Thema Darm

Foto: privat
Fakten

Insgesamt scheint die HĂ€ufigkeit der so genannten „SpĂ€t-Akne“ (Akne tarda) zuzunehmen. Man schĂ€tzt, dass inzwischen etwa jede vierte bis fĂŒnfte Frau zwischen 25 und 45 Jahren mit leichten bis mittelschweren Akne-tarda-Erscheinungen zu kĂ€mpfen hat. Die Ursachen fĂŒr das immer hĂ€ufigere Auftreten sind nicht eindeutig geklĂ€rt.

Der Einfluss von Stress, hormonellen Schwankungen oder Medikamenten wird in diesem Zusammenhang diskutiert. Hormonelle Ursachen scheinen auch fĂŒr die prĂ€menstruelle Akne verantwortlich zu sein, denn die AbhĂ€ngigkeit vom Menstruationszyklus ist hier ganz offensichtlich: Die Patientinnen leiden circa eine Woche vor Einsetzen der Periodenblutung unter Pickeln vor allem an Kinn und Wangen. Bei Blutuntersuchungen findet man allerdings meist ganz normale Hormonwerte. Hier liegt wahrscheinlich eine individuelle Überempfindlichkeit der TalgdrĂŒsen gegen mĂ€nnliche Hormone vor, was als eine der Ursachen von Akne gilt. Sie werden auch von Frauen in geringen Mengen produziert, und ihr Spiegel im Blut kann wĂ€hrend des ZyklusÂŽ schwanken.

Ein weiterer Auslöser ist Stress. Insbesondere Frauen mit anstrengenden Berufen, die unter permanenter Anspannung stehen, leiden unter Akne tarda. Bei akutem Stress werden Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin ausgeschĂŒttet. Diese können die Wirkung mĂ€nnlicher Hormone auf die TalgdrĂŒsen zusĂ€tzlich verstĂ€rken und EntzĂŒndungsprozesse in der Haut in Gang setzen. Dadurch sprießen mehr Pickel. Auch Cortisol, das Hormon, das bei Dauerstress ausgeschĂŒttet wird, verĂ€ndert das Mikrobiom von Darm und Haut und begĂŒnstigt auf diese Weise wahrscheinlich eine Akne.

Außerdem gibt es Medikamente, die eine Akne fördern. Patienten, die hochdosiert Kortison einnehmen mĂŒssen, entwickeln ebenfalls Pickel. Auch Antidepressiva oder Medikamente gegen Epilepsie lösen Akne aus. Aber auch scheinbar gesunde NahrungsergĂ€nzungsmittel, vor allem solche mit vielen B-Vitaminen, verschlechtern die Haut und verursachen Pickel.

Ursache

Pickel entstehen, wenn die Haut – meistens angeregt durch Stresshormone oder mĂ€nnliche Hormone – zu viel Talg produziert. Außerdem zeigt sich eine verstĂ€rkte Verhornung der TalgdrĂŒsenausfĂŒhrungsgĂ€nge, wodurch der Talg nicht auf die HautoberflĂ€che abfließen kann. Im aufgestauten Talg vermehren sich dann Bakterien und fĂŒhren zu EntzĂŒndungen.

Schulmedizin

Die Schulmedizin versucht, alle drei ursÀchlichen Probleme anzugehen. Verhornungen lassen sich mit Vitamin-A-SÀure (als Salbe oder Tablette), SalicylsÀure, FruchtsÀuren oder Benzoylperoxid beseitigen.

Achtung: Bei der Gabe von Vitamin-A-SĂ€ure, vor allem als Tablette, muss auf eine sichere VerhĂŒtung geachtet werden, denn sie wirkt fruchtschĂ€digend. Gegen die bakterielle Besiedelung setzt man Antibiotika (als Salbe oder Tablette) oder AzelainsĂ€ure ein. Eine „Pille“ mit Antiandrogenen bremst die Wirkung mĂ€nnlicher Hormone. Dadurch wird weniger Talg produziert und die Ursache der Akne beseitigt.

Frauen jenseits der 30 können Akne und Falten gleichzeitig den Kampf ansagen. FruchtsĂ€urepeelings und Vitamin-A-SĂ€ure wirken nĂ€mlich gegen Akne und glĂ€tten gleichzeitig die Haut. Welche dieser Therapien in welchen Dosierungen individuell geeignet sind und ob sie alleine oder besser in Kombination gegeben werden sollen, muss der Hautarzt entscheiden – oder bei niedrig dosierten FruchtsĂ€urebehandlungen auch die Kosmetikerin.

Bei Aknepatienten ist sehr hÀufig auch die Darmmikrobiota gestört. Einen Mangel an MilchsÀure- und Bifidobakterien auszugleichen kann dann helfen.

– Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann, Dermatologin
Alternativ

Studien konnten zeigen, dass bei Aknepatienten sehr hÀufig die Darmmikrobiota gestört war und ein Mangel an MilchsÀure- und Bifidobakterien vorlag.

Gleichzeitig war die Menge an FĂ€ulniskeimen und entzĂŒndungsfördernden Bakterien im Darm erhöht. Da auch gleichzeitig die Darmbarriere stĂ€rker durchlĂ€ssig war (Leaky Gut), verursachten die EntzĂŒndungsstoffe aus dem Darm auch gleich EntzĂŒndungen der Haut, sprich Akne. Erhielten die Betroffenen probiotische Keime wie Bifido- und MilchsĂ€urebakterien, reduzierte sich die Behandlungsdauer bis zum Verschwinden der Hautunreinheiten betrĂ€chtlich. Auch die Kombination von probiotischen Bakterien mit Antibiotika fĂŒhrte zu einer deutlich schnelleren und stĂ€rkeren Besserung der Akne als die alleinige Gabe von Antibiotika. Wichtig ist, dass das probiotische PrĂ€parat hochdosiert ist und außerdem weder Jod, noch Vitamin B12 oder Biotin enthĂ€lt, denn diese Stoffe können eine Akne verschlechtern. Sinnvoll ist es, wenn die probiotischen Bakterien mit prĂ€biotischen Ballaststoffen kombiniert werden. Dadurch wird die Regeneration der Darmflora zusĂ€tzlich unterstĂŒtzt.

Daneben hat sich in Studien die Einnahme von Zinktabletten, teilweise sogar in Dosen von 20 bis 30 Milligramm tĂ€glich als wirksam erwiesen. Alleine oder in Kombination mit dem eisenbindenden Eiweiß Lactoferrin (z. B. Sandermin), mit Selen (50–100 ”g) oder Vitamin E (50 mg) ließ sich in Studien eine Reduktion der Akne erzielen.

Auch SchwarzteeumschlĂ€ge können die entzĂŒndeten Hautstellen beruhigen. Dazu einen sehr starken Tee kochen und diesen 30 Minuten ziehen lassen, damit die Gerbstoffe in den Tee wandern können. Bierhefetabletten sind entgegen landlĂ€ufiger Meinung nicht gut bei Akne. Denn sie enthalten hochkonzentrierte B-Vitamine, die EntzĂŒndungen fördern. Vitamin B12 (und wahrscheinlich auch Biotin) sorgt zudem dafĂŒr, dass sich die AktivitĂ€t von Genen bestimmter Hautbakterien verĂ€ndert, die Akne verursachen. Diese produzieren dann Stoffe, die zu starken HautentzĂŒndungen fĂŒhren. Dauerstress verursacht ebenfalls Pickel. Das wissen viele aus Erfahrung. Wissenschaftler vermuten, dass Stresshormone die negativen Auswirkungen der mĂ€nnlichen Hormone auf die Haut zusĂ€tzlich verstĂ€rken können.

Die richtige ErnÀhrung bei Akne

Akne hat sehr viel mit unserem Lebensstil und vor allem mit unserer ErnÀhrung zu tun.

Sehr ursprĂŒnglich lebende Teenager in Papua-Neuguinea oder im lĂ€ndlichen Brasilien sind völlig aknefrei, bei uns sind etwa 80 Prozent der Teenager betroffen, in England bis zu 100 Prozent. Studien zeigen, dass Milchprodukte, vor allem fettarme, Akne begĂŒnstigen. Verursacht wird das durch einen hormonĂ€hnlichen Botenstoff (IGF-1) in der Milch. IGF-1 regt die Talg- und Testosteronproduktion an. MilchsĂ€urebakterien können den IGF-1-Spiegel senken. Also Milch vermeiden, aber MilchsĂ€urebakterien zufĂŒhren.

Daneben fördern auch Nahrungsmittel mit hohem glykĂ€mischen Index wie Back- und SĂŒĂŸwaren, Frittiertes und Fast Food, die den Blutzuckerspiegel in die Höhe schießen lassen, Akne. Vor allem, wenn außerdem nur wenig Ballaststoffe in Form von Vollkornprodukten, Obst und GemĂŒse verzehrt werden. Auch bei GetrĂ€nken sollte man auf zuckerfreie Alternativen achten. Besonders gut ist grĂŒner Tee, denn der wirkt auch von innen antientzĂŒndlich.

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