Reizmagen und Reizdarm gehören zu den hĂ€ufigsten Verdauungsstörungen. Doch was ist die Ursache fĂŒr diese Beschwerden? Und was hilft?
Fotos & Text: Merle Schonvogel

Die Diagnose Reizdarm hört man als Patient meistens als Ausschluss-Diagnose, wenn alle anderen Diagnosen nicht zum Beschwerdebild passen. Doch was versteht man genau unter einem Reizdarm? Es gibt 4 Typen: Der Durchfalltyp, der Verstopfungstyp, der Schmerztyp und der BlÀhungstyp, wobei sich die Typen untereinander oft vermischen. Den vier Arten entsprechend treten diese Symptome bei einem Reizdarm hÀufig auf:

  • VöllegefĂŒhl und BlĂ€hungen
  • Durchfall
  • GefĂŒhl, dass sich der Darm beim Stuhlgang nicht völlig entleert
  • Schleimauflagerungen auf dem Stuhl

Circa 15% der Deutschen sind vom Reizdarmsyndrom betroffen.

Die möglichen GrĂŒnde fĂŒr einen Reizdarm, die zu diesen unangenehmen Beschwerden fĂŒhlen, sind vielfĂ€ltig:

Gestörte Darmflora
Ein Ungleichgewicht der Darmmikrobiota tut dem Darm nicht gut und macht ihn schlechter widerstandsfÀhig.
Stress als Auslöser und VerstÀrker
Stress scheint eine große Rolle beim Thema Reizdarm zu spielen. Bei psychischer Belastung verschlimmern sich die Reizdarm-Symptome oft.
Gestörte Darmperistaltik
Zu sogenannten MotilitĂ€tsstörungen im Verdauungstrakt kommt es, wenn das darmeigene Nervensystem außer Balance gerĂ€t und falsche Anweisungen gibt. So kann es passieren, dass der Speisebrei zum Beispiel zu schnell durch den Verdauungstrakt rutscht. Das Ergebnis: Durchfall.
Erhöhte DurchlÀssigkeit der Darmschleimhaut
Wenn die sogenannten tight junctions, also die engen Verbindungen der einzelnen Darmzellen, abgebaut werden ist die Darmbarriere geschÀdigt. Diese verhindert normalerweise, dass Fremdstoffe unkontrolliert aus dem Darmraum durch die Blutbahn in den Körper eindringen, die dort eigentlich nicht hingehören.
Infektionen des Magen-Darm-Trakts
Verschiedene Studien legen nahe, dass ein Reizdarm auch Folge einer Magen-Darm-Infektion sein kann. Dies ist aber mit einem von 10 FĂ€llen eher die Seltenheit.

FODMAP-DiÀt

Gibt es nun aber eine spezielle Reizdarm ErnĂ€hrung? Um die Beschwerden zu lindern, wird hĂ€ufig eine FODMAP-arme DiĂ€t empfohlen. Die AbkĂŒrzung steht fĂŒr „fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols“, also fĂŒr vergĂ€rbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Kohlenhydraten und Zuckeralkoholen, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommt und im DĂŒnndarm nur schlecht resorbiert wird. Sie umfasst: Fruktose (Monosaccharid), Laktose (Disaccharid), Fructane und Galacto-Oligosaccharide (Oligosaccharide) sowie Sorbit und Mannit (Polyole).

Gastroenterologe Dr. Emeran Mayer von der University of California steht hinter dieser Empfehlung allerdings nur mit Vorbehalt: „Die Beschwerden der meisten Patienten verbessern sich unter dieser DiĂ€t zwar. Langfristig werden die Mikroben im Darm jedoch um ihre wichtigste Nahrungsquelle beraubt, die sogenannten Oligosaccharide. Das sind im Wesentlichen pflanzliche Ballaststoffe. Außerdem ist bei Erwachsenen die Darmbakterien-Zusammensetzung sehr stabil. Was bedeutet: Sie kehrt meist in ihren Ausgangszustand zurĂŒck, sobald die DiĂ€t beendet wird.“ Hinzu kommt, dass die meisten Menschen unter einer FODMAP-armen DiĂ€t ziemlich stark abnehmen. Sie sollte deshalb nach Ansicht von Dr. Emeran Mayer nur unter fachlicher Aufsicht gemacht werden

Mediterrane ErnÀhrung

Die bessere Alternative bei Reizdarm ist fĂŒr ihn ohnehin eine mediterrane ErnĂ€hrung mit viel frischem Obst und GemĂŒse der Saison, Seefisch, Pasta, NĂŒssen und nativem Olivenöl als Haupt-Fettlieferant. Konkret kann das beispielsweise ein frischer Salat mit Orangen und Lachs sein. Neben Wasser ĂŒber den ganzen Tag verteilt gehören auch moderate Mengen an Wein zum Modell. Wer bestimmte Obst-, GemĂŒse-, oder Nusssorten nicht vertrĂ€gt, ersetzt sie mit anderen.

Ayurveda

Und wie sieht es mit Ayurveda als ganzheitliche Lösung aus? Wer offen fĂŒr Neues ist und gern ganzheitlich etwas Ă€ndern möchte, fĂŒr den könnte Ayurveda das Richtige sein, um die Reizdarmprobleme in den Griff zu bekommen. Davon ist Heilpraktiker und Indologe Elmar Stapelfeldt vom Immanuel-Krankenhaus Berlin ĂŒberzeugt. „Denn in der ayurvedischen ErnĂ€hrung gelten die drei Grundregeln warm, regelmĂ€ĂŸig, leicht verdaulich. Das bedeutet, dass der Verzehr des von uns Deutschen so geliebten Brots stark reduziert werden muss. Aber auch auf Fleisch und Fettiges sollten Patienten mit Reizdarm weitestgehend verzichten.“

Was hilft denn nun?

Empfehlenswert fĂŒr Patienten mit einem Reizdarm ist es, verschiedene Optionen auszuprobieren und dabei ein ErnĂ€hrungs- und Beschwerdetagebuch zu fĂŒhren, um die ErnĂ€hrungsweise herauszufinden, die individuell gut tut. Denn wie bei einem Reizdarm ErnĂ€hrung eine Linderung bringen kann, sieht nicht fĂŒr jeden Patienten gleich aus. Was aber auf jeden Fall hilft sind Stressabbau, zum Beispiel durch Entspannungstechniken und ausreichend Bewegung.

Redaktion
Merle Schonvogel
Ökotrophologin (B.Sc.), Expertin fĂŒr Food-Wissen
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