Schilddrüsenerkrankung: Hilfreiche Informationen & Tipps!

So bekommt die Schilddrüse neue Power!

Eine Schilddrüsenerkrankung ist keine Seltenheit mehr. Jeder Zehnte leidet mittlerweile an einer Schilddrüsenunterfunktion. Falsche Ernährung und eine gestörte Darmmikrobiota können die Ursache sein. Unsere Expertin Prof. Dr. Axt-Gadermann klärt auf.
Text: Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann | Fotos: Unsplash

Die Schilddrüsenerkrankung als Volkskrankheit ist in aller Munde. Denn ohne die Schilddrüse läuft nichts! Denn ihre wichtigste Aufgabe ist es, uns Kraft für den Alltag zu geben. Ihre Hormone steigern den Kalorienverbrauch und den Sauerstoffbedarf, bauen Fettgewebe ab und sind notwendig für die Verarbeitung von Kohlenhydraten und Eiweiß.

Die Schilddrüse ist im Kraftwerk Körper sozusagen der hemdsärmelige Maschinist, der Kohle ins Feuer schaufelt und damit den gesamten Organismus am Laufen hält und mit Energie versorgt. Und dieser aktive Stoffwechsel produziert auch ganz ordentlich Wärme und hält unsere Körpertemperatur im Normbereich.

Das kleine Organ mit großem Einfluss wiegt nur rund 20 Gramm und ist so groß wie eine Walnuss. Doch leidet man an einer Schliddrüsenerkrankung, betrifft das nicht nur die unmittelbare Umgebung der Drüse, sondern das ganze System Mensch. Nahezu jede Körperfunktion wird vom Hals aus mitgesteuert, denn die produzierten Hormone wirken von der kleinen Zehe bis zur Haarwurzel auf alle Zellen des Körpers.

Gerät das fein abgestimmte Gleichgewicht der Botenstoffe nur ein wenig durcheinander, fühlen wir uns schlecht und je nach Art der Störung müde, fröstelnd und antriebslos oder nervös, überhitzt und gehetzt. Unsere Schilddrüse produziert zwei verschiedene Hormone: das Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Das eigentlich wirksame Hormon ist T3. Nachdem es von der Schilddrüse gebildet wurde, ist es zwischen zehn und zwanzig Stunden im Blut nachweisbar und wird dann abgebaut. Doch in unserem Blut kreist deutlich mehr T4 als T3. T4 stellt eine noch unwirksame Vorstufe von T3 dar. Man könnte T4 deshalb mit einem mobilen Lager für Schilddrüsenhormone vergleichen. Bei Bedarf kann T4 mit Hilfe eines Enzyms in wirksames T3 umgewandelt werden.

Die Expertin Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann

Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann ist Ärztin und Expertin
für Darmgesundheit. Sie lehrt integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg und ist Autorin zahlreicher Gesundheitsratgeber. Außerdem ist sie Referentin für die FOODFORUM-Akademie.

Foto: privat

Schilddrüsenstörungen können zu einer Schilddrüsenerkrankung führen

Um Schilddrüsenhormone zu produzieren und um anschließend das Speicherhormon T4 in das stoffwechselaktive T3 umzuwandeln, benötigt die Drüse verschiedene Spurenelement wie Jod, Eisen, Selen und Zink (siehe Kasten). Nicht nur der bekannte Jodmangel, sondern auch eine Unterversorgung mit den anderen Spurenelementen kann Studien zufolge eine Schilddrüsenvergrößerung (Kropf ) oder Autoimmunerkrankung begünstigen und die Produktion von Schilddrüsenhormonen beeinträchtigen.

Schilddrüsenstörungen können zu einer Schilddrüsenerkrankung führen. Doch wenn es uns nicht gut geht, denken weder Patienten noch Ärzte sofort an das unscheinbare Organ am Hals. Das liegt daran, dass die Symptome zunächst ziemlich unspezifisch und auch unspektakulär sind. Ständige Müdigkeit, ein erhöhtes Schlafbedürfnis und Konzentrationsschwäche oder Nervosität, Gereiztheit und Herzrasen lassen uns nicht sofort an eine Störung der Schilddrüse denken.

Naheliegender sind dann Stress im Beruf, Ärger in der Familie, ein nicht ausgeheilter Infekt oder beginnende Wechseljahre. Auch Mediziner haben dieses kleine Organ nicht immer im Fokus und ordnen die Beschwerden nicht sofort einer Schilddrüsenerkrankung zu, denn dazu sind die Symptome viel zu wenig richtungsweisend und können tatsächlich zahlreiche andere Ursachen haben.

„Fast jedes Organ wird durch die Darmbakterien beeinflusst. Da überrascht es nicht, dass die Bakterien im Darm auch hormonproduzierende Organe wie die Schilddrüse unterstützen.“

– Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann

Schilddrüsenerkrankung: Überfunktion oder Unterfunktion?

Probleme durch eine Schilddrüsenerkrankung lassen sich ganz grob in zwei Kategorien einteilen: Entweder die kleine Drüse arbeitet zu wenig oder sie legt sich so richtig ins Zeug und schüttet viel zu viele Hormone aus.

Mit Abstand am häufigsten ist eine Unterfunktion der Schilddrüse, die von Medizinern als Hypothyreose bezeichnet wird. In diesem Fall werden zu wenige Hormone produziert, die Schilddrüse steht sozusagen auf der Bremse und der Stoffwechsel tuckert nur ganz lahm vor sich hin.

Laut der Schilddrüsenliga Deutschland e. V. leiden hierzulande rund zehn Prozent der Menschen an einer Unterfunktion der Schilddrüse, fast immer betrifft es Frauen. Damit ist die Hypothyreose nach der Zuckerkrankheit die zweithäufigste Hormonstörung.

Bei einer Unterfunktion geht unserem Körper im wahrsten Sinne des Wortes der Treibstoff aus. Allerdings passiert das meistens nicht schlagartig. Sondern die Schilddrüsenerkrankung macht sich schleichend bemerkbar und dadurch dauert es oft lange, bis auffällt, dass etwas nicht stimmt. Das bestimmende Symptom ist der Energiemangel, viele weitere Symptome können vorkommen.

Zu Beginn können die Betroffenen die Defizite durch eine Schilddrüsenerkrankung oft noch ausgleichen. Sie strengen sich an, „reißen sich zusammen“ und erklären sich die Beschwerden mit Arbeitsüberlastung oder Schlafmangel. Wer an einer Unterfunktion leidet, kann sich schlechter konzentrieren. Zudem schlägt das Herz langsamer als normal. Gleichzeitig frösteln die Patienten schneller, da der Stoffwechsel auf Sparflamme läuft und die Wärmeproduktion des Körpers zurückgeht.

Da weniger Kalorien verbrannt werden, nehmen sie trotz normaler Portionen auf dem Teller zu. In mehr als 90 Prozent der Fälle liegt einer Schilddrüsenunterfunktion eine Autoimmunerkrankung zugrunde, die sogenannte Hashimoto Thyreoiditis (= Hashimoto Schilddrüsenentzündung).

Deutlich seltener als eine Unterfunktion ist eine Überfunktion der Schilddrüse, eine so genannte Hyperthyreose. Sie betrifft etwa ein bis zwei Prozent aller Frauen und ist damit beim weiblichen Geschlecht etwa fünf- bis zehnmal so häufig wie bei Männern.

Bei der Schilddrüsenerkrankung Hyperthyreose tut die Schilddrüse des Guten zu viel. Die Folge: Die Patientinnen stehen unter Strom! Ihr Organismus gibt Vollgas und fährt alle Motoren hoch. Sie werden hektisch und unruhig, schlafen schlecht und das Herz pumpt wie verrückt. Warme Räume empfinden Menschen, die an einer Überfunktion leiden, plötzlich nicht mehr als gemütlich, sondern als überhitzt. Denn der auf Hochtouren laufende Stoffwechsel produziert sehr viel Wärme und verbraucht dabei ordentlich Kalorien. Das macht sich trotz gutem Appetit durch Gewichtsverlust bemerkbar.

In 40 bis 60 Prozent der Fälle ist auch hier wieder eine Autoimmunerkrankung, nämlich die Basedowsche Erkrankung (Morbus Basedow) für die Beschwerden verantwortlich. Seltener wird eine Hyperthyreose durch eine Jodüberdosierung ausgelöst. Manchmal verselbständigt sich die Produktion von Schilddrüsenhormonen durch einen Schilddrüsenknoten und die Menge der im Blut befindlichen Botenstoffe ist dann nicht mehr dem Bedarf des Körpers angepasst.

Eine Schilddrüsenüberfunktion, selbst eine milde, sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer unter Hyperthyreose leidet, hat nämlich ein höheres Risiko für Gicht, Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auf Dauer werden auch die Knochen brüchig. Ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen kurbelt nämlich nicht nur den Stoffwechsel im Körper an, sondern steigert auch den Calciumstoffwechsel im Skelett.

Symptome einer Schilddrüsenerkrankung

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

  • Erschöpfung,Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • langsamerer Herzschlag
  • Frösteln, Kälteempfindlichkeit
  • Gewichtszunahme

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

  • Zittern, nervöse Unruhe, Gereiztheit
  • Schlafstörungen
  • Schwitzen
  • Herzklopfen, Herzrasen
  • Gewichtsabnahme

Immer mehr Autoimmunerkrankungen

Die zwei wichtigsten und häufigen Schilddrüsenerkrankungen, die Hashimoto-Schilddrüsenerkrankung und die Basedowsche Erkrankung, zählen zu den Autoimmunerkrankungen.

Hierbei richtet sich das Abwehrsystem des Körpers gegen eigene Zellen oder Organe. In diesem Fall gegen die Schilddrüse. Autoimmunerkrankungen zählen nicht nur zu den häufigsten chronischen Schilddrüsenerkrankungen. Wissenschaftler sind sich sicher, dass es derzeit auch zu einer Häufung der Erkrankungsfälle kommt.

Besonders der starke Anstieg der Hashimoto-Fälle legt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um eine Art „Zivilisationskrankheit“ handeln könnte, die durch unseren westlichen Lebensstil begünstigt wird. Neben entsprechenden Erbanlagen scheinen weibliche Hormone Autoimmunerkrankungen zu begünstigen, weshalb sie bei Frauen deutlich häufiger auftreten als bei Männern.

Auch andere Faktoren werden diskutiert, wie Vitamin-D-Mangel, eine Störung der Darmmikrobiota, eine sehr kochsalzreiche Ernährung und zu viel Hygiene. Studien zeigen, dass Infekte in der Kindheit und weniger übertriebene Sauberkeit die Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen und Allergien tatsächlich senken können.

Bei Hashimoto baut das Immunsystem das Schilddrüsengewebe nach und nach ab. Doch da die Zerstörung der Schilddrüse nicht schlagartig erfolgt, sondern ganz allmählich über Monate und Jahre, setzen auch die Symptome schleichend ein. Das ist wahrscheinlich die größte Hürde für eine frühe Diagnose.

Bei der Basedowschen Erkrankung produziert das Immunsystem sogenannte „Auto-Antikörper“, die an den Schilddrüsenzellen andocken können. Anders als bei der Hashimoto-Erkrankung bewirken diese Autoantikörper und die Entzündungsreaktion beim M. Basedow aber keine Zerstörung des Drüsengewebes. Docken die Autoantikörper an bestimmte Rezeptoren an, ist das für die Schilddrüse ein Zeichen, enorm viele Schilddrüsenhormone zu produzieren und die peitschen dann sowohl Körper als auch Geist bis zur Erschöpfung an.

Wichtige Nährstoffe, um eine Schilddrüsenerkrankung zu vermeiden.

JOD

Bedarf: Erwachsene 200 μg (in Schwangerschaft und Stillzeit mehr) Wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Bei Jodmangel vergrößert sich die Schilddrüse. Bei einer wenig abwechslungsreichen Ernährung, die natürliche Jodquellen nicht ideal ausnutzt, kann Jodmangel leicht entstehen, weswegen Speisesalz oft Jod zugesetzt wird.

Aber Achtung: Zu viel Jod kann in bestimmten Fällen zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen und Hashimoto begünstigen.

Gute Jodlieferanten: Meeresfisch (Flussfisch ist jodarm), Meeresfrüchte, Spinat, Feldsalat und Brokkoli. Algen sind ebenfalls stark jodhaltig und sollten nicht im Übermaß verzehrt werden. Eier und Milchprodukte enthalten Jod durch mit Jod angereichtes Tierfutter; in Bio-Qualität ist der Jodgehalt oft deutlich geringer.

SELEN

Bedarf: Erwachsene 70 μg
Die Schilddrüse ist das selenreichste Organ. Selen ist notwendig, um die Schilddrüse vor Schäden zu schützen und T4 in T3 umzuwandeln. Bei Selenmangel stehen zu wenige aktive Schilddrüsenhormone zur Verfügung.

Gute Selenlieferanten: Paranüsse, Kokosnüsse, Steinpilze, Lamm, Meeresfisch und Meeresfrüchte

EISEN

Bedarf: Erwachsene 10–15 mg
Enzyme, die für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen zuständig sind, können ohne Eisen nicht richtig arbeiten. Ein Eisenmangel lässt die Schilddrüse wachsen (Kropfbildung), da die Hormonproduktion blockiert ist.

Gute Eisenlieferanten: rotes Fleisch, Kürbiskerne, Samen (Sesam, Mohn, Chia), Steinpilze. Eisen kann aus tierischen Nahrungsmitteln leichter vom Körper aufgenommen werden als aus Pflanzenkost.

ZINK

Bedarf: Erwachsene 7–10 mg
Studien zeigten, je schlechter die Zinkversorgung ist, desto stärker wächst die Schilddrüse und desto höher sind die Spiegel der Schilddrüsen-Antikörper bei Autoimmunerkrankungen.

Gute Zinklieferanten: Austern, Rindfleisch, Leber, Schweinefleisch, Haferflocken, Kürbiskerne, Nüsse, Sesam, Sojaprodukte. Allerdings kann Zink, ähnlich wie auch Eisen, aus tierischen Nahrungsmitteln leichter vom Körper aufgenommen werden als aus Pflanzenkost.

Die Darmgesundheit ist entscheidend für die Schilddrüse

Seit einiger Zeit bringt man eine Störung der Darmmikrobiota mit ganz unterschiedlichen chronischen Erkrankungen in Verbindung. Denn der Einfluss des Darms reicht weit in den Körper hinein. Fast jedes Organ wird durch die Arbeit der Darmbakterien beeinflusst. Da überrascht es nicht, dass die Bakterien im Darm auch hormonproduzierende Organe wie die Schilddrüse unterstützen.

Zudem hinterfragen Experten immer öfters auch die Rolle einer gestörten Darmflora bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen. Diese Überlegungen sind nicht von der Hand zu weisen, denn der Darm ist ein großes Immunorgan. Er kann – zusammen mit den darin lebenden Bakterien – Entzündungen anfachen und Autoimmunerkrankungen auslösen oder dieser Entwicklung entgegensteuern.

Nur ein gesunder Darm kann unser Essen richtig verarbeiten und unserem Körper Jod, Selen, Zink und andere Nährstoffe zur Verfügung stellen. Diese Nährstoffe werden zur Herstellung und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen benötigt und können helfen eine Schilddrüsenerkrankung zu vermeiden.

Ist der Darm entzündet oder die Zusammensetzung der Darmmikrobiota verändert, ist meistens auch die Resorption von Nahrungsbestandteilen gestört. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung oder einer Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori der Bedarf an Schilddrüsenmedikamenten um mindestens 30 Prozent ansteigt.

Studien haben gezeigt, dass sowohl bei Hashimoto- als auch bei Basedow-Patienten die Zusammensetzung des Mikrobioms, verglichen mit gesunden Probanden, verändert war. Bei M. Basedow besteht häufig ein Mangel an Bifidokeimen und Milchsäurebakterien. Hashimoto-Patientinnen fehlen oft Prevotellakeime oder Faecalbakterium prausnitzii.

Je ausgeprägter die Störung der Keimzusammensetzung bei den Patienten, desto stärker waren in Studien die Symptome. Ein Stuhltest kann hier Aufschluss geben. Darmbakterien sind für rund 20 Prozent der Umwandlung von inaktivem T4 in die Wirkform T3 verantwortlich. Fehlen bestimmte Bakterien, sinken die Spiegel der aktiven Schilddrüsenhormone, was zu den typischen Symptomen einer Unterfunktion führen kann. Obwohl die Schilddrüse selber nicht krank ist, sondern es nur an der Hormonumwandlung im Darm hapert. Deshalb ist es wichtig, parallel zur schulmedizinischen Therapie auch die Darmmikrobiota wieder gut aufzustellen, um eine Schilddrüsenerkrankung zu vermeiden bzw. Symptome zu mildern.

 

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