Eine saure Sache

Sodbrennen: Was hilft?

Etwa 40 Prozent der Deutschen leiden hin und wieder unter Sodbrennen. Hausmittel schaffen oft schnelle Abhilfe. Aber auch die Refluxkrankheit ist manchmal die Ursache fĂŒr Sodbrennen.
Fotos & Text: Merle Schonvogel

Wenn wir ĂŒppig essen und trinken und vor allem bei deftigen Speisen, Alkohol und SĂŒĂŸigkeiten so richtig zulangen, dann kann das manchmal unangenehme Folgen haben: Einige Zeit spĂ€ter rebelliert unser Magen und saure MagenflĂŒssigkeit steigt in die Speiseröhre auf. Dieses GefĂŒhl kennen durchaus viele Menschen, sagt der Gastroenterologe Professor Dr. Ralf Kiesslich, Klinikdirektor der Inneren Medizin II an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden: „Etwa 40 Prozent der Bevölkerung leiden dann und wann unter Sodbrennen, ich wĂŒrde es daher auf jeden Fall als Volkskrankheit bezeichnen.“

Etwa 40 Prozent der Bevölkerung leiden dann und wann unter Sodbrennen

Ursache fĂŒr Sodbrennen: Die Speiseröhre ist gegen die SĂ€ure nicht geschĂŒtzt

Eine Refluxkrankheit ist vor allem deswegen so gefĂ€hrlich, weil die aufsteigende MagensĂ€ure die Speiseröhre regelrecht verĂ€tzt: „Die ist im Gegensatz zum Magen nicht durch eine Schleimhaut vor der SĂ€ure geschĂŒtzt“, erklĂ€rt Kiesslich. Das fĂŒhrt mit der Zeit zu einer SpeiseröhrenentzĂŒndung und kann im schlimmsten Fall sogar die Entwicklung von Speiseröhrenkrebs fördern. Deswegen sei eine genaue Untersuchung so wichtig. BegĂŒnstigt wird die Entstehung der Refluxkrankheit durch viele verschiedene Faktoren. Einer davon ist der Zwerchfellbruch, medizinisch Hiatushernie genannt. „Hierbei handelt es sich nicht um einen Bruch, sondern hier ist das Zwerchfell, das Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt, quasi ausgeleiert“, erklĂ€rt der Experte. Die Speiseröhre fĂŒhrt durch eine recht schmale LĂŒcke im Zwerchfell in den Bauchraum. Bei der Hiatushernie ist diese LĂŒcke erweitert, und Teile des Magens können sich da hindurchdrĂŒcken, zurĂŒck in die Speiseröhre. Grund dafĂŒr ist meist eine angeborene BindegewebsschwĂ€che. Aber auch im Zuge des ganz normalen Alterungsprozesses kann sich das Bindegewebe an dieser Stelle lockern. Ein Zwerchfellbruch kann, muss aber keine Beschwerden auslösen. HĂ€ufig spielt auch Übergewicht eine Rolle, weswegen Professor Kiesslich seinen Patienten einen klaren Rat mit auf den Weg gibt: „Abnehmen hilft!“ – und zwar besser, als auf vermeintlich sodbrennenfördernde Lebensmittel von im Internet kursierenden Listen zu verzichten: „Ich halte nichts davon, beispielsweise Kaffee per se zu verteufeln. Jeder hat andere Trigger, die es herauszufinden gilt.“ Einige Studien deuten darauf hin, dass es viel mit individuellen UnvertrĂ€glichkeiten zu tun haben könnte.

„Abnehmen hilft besser gegen Sodbrennen als der wahllose Verzicht auf bestimmte Lebensmittel!“

– PROF. DR. RALF KIESSLICH, HELIOS DR. HORST SCHMIDT KLINIKEN WIESBADEN

Heilerde und KrÀutertee als Hausmittel bei Sodbrennen

Wie entsteht Sodbrennen ĂŒberhaupt? Normalerweise ist die Speiseröhre eine „Einbahnstraße“. Das heißt, der Speisebrei wird vom Mund in den Magen transportiert, und ein Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre verhindert, dass alles wieder nach oben gelangen kann. Ist dieser aber geschwĂ€cht, oder ist der Magen durch eine ĂŒppige Mahlzeit stark gedehnt, lockert sich der Muskel und Mageninhalt mitsamt -sĂ€ure kommt wieder nach oben. „Wenn das gelegentlich passiert, ist das durchaus normal“, so der Experte. In den FĂ€llen könne man versuchen, mit Hausmitteln gegenzusteuern: „Manchen hilft Heilerde, andere kommen mit Milch oder beruhigenden KrĂ€uterteemischungen gut zurecht.“ FĂŒhrt all das nicht zum erwĂŒnschten Ziel, und tritt das Aufstoßen hĂ€ufiger auf, so dass man sich in seiner LebensqualitĂ€t beeintrĂ€chtigt fĂŒhlt, sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Dann kann nĂ€mlich möglicherweise etwas Ernsteres dahinterstecken: die sogenannte Refluxkrankheit. Die Grenzen zwischen ihr und „normalem“ Aufstoßen sind fließend, und es ist nicht möglich, lediglich aufgrund der Symptome zu sagen, was die Ursache ist. Der Arzt fĂŒhrt daher eine Magenspiegelung durch, um dem auf den Grund zu gehen.

FĂŒr 1 Portion Anti-Reflux-Tee (Zubereitungszeit ca. 15 Min) 1 gestrichenen EL (1,5 g) Schafgarbenkraut in ein Teesieb geben und mit 200 ml kochendem Wasser ĂŒbergießen. 10-15 Min. ziehen lassen und abseihen. Bis zu dreimal tĂ€glich trinken.

Tipp: Der Tee schmeckt kalt weniger bitter und krautig. Man kann ihn daher auch etwas auskĂŒhlen lassen und dann abgedeckt fĂŒr eine Stunde in den KĂŒhlschrank stellen. Am besten gleich 1 Liter fĂŒr den Tag vorbereiten.

Mit SĂ€ureblockern lĂ€sst sich die Wundheilung unerstĂŒtzen

Behandelt werden die Beschwerden heutzutage meist medikamentös mit Protonenpumpen-Hemmern, auch als SĂ€ureblocker bekannt. Sie reduzieren die MagensĂ€ure und helfen bei der Wundheilung, sollten aber nur dosiert und unter Ă€rztlicher Betreuung eingenommen werden. Denn auch wenn sie allgemein eher gut vertrĂ€glich sind, gibt es Patienten, die vorsichtiger sein sollten: Bei Ă€lteren Frauen beispielsweise, die ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum SĂ€ureblocker wegen Sodbrennen eingenommen hatten, war das Osteoporose-Risiko erhöht. Die Vermutung: Der Körper kann den Mineralstoff Calcium, der wichtig fĂŒr die Knochengesundheit ist, schlechter aufnehmen. Außerdem steige unter UmstĂ€nden das Risiko fĂŒr eine LungenentzĂŒndung, erklĂ€rt Kiesslich: „Bei Patienten mit einem geschwĂ€chten Immunsystem könnten Bakterien aus dem Magen durch die geringere Menge an MagensĂ€ure leichter in die Atemwege gelangen.“ Aber hier gibt es Alternativen, wie eine aktuelle Studie amerikanischer Forscherinnen und Forscher zeigt, die im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler untersuchten an knapp 200 Probanden, wie wirksam eine pflanzenbasierte, mediterrane ErnĂ€hrung im Vergleich zur Einnahme von SĂ€ureblockern ist. Das Ergebnis war beeindruckend: Die Wirkung ist tatsĂ€chlich Ă€hnlich. Auch wenn die Stichprobe eher klein war, zeigt es doch, dass eine bewusste, gesunde ErnĂ€hrung dazu beitragen kann, die Beschwerden zu lindern. Ein neuerdings hĂ€ufig eingesetztes, an sich aber altbekanntes Mittel gegen Sodbrennen sind PrĂ€parate aus Algen, bezeichnet als Alginat. Wer trotz SĂ€ureblockern immer noch Probleme hat, kann sie zusĂ€tzlich einnehmen. Bei Kontakt mit SĂ€ure legt sich das Alginat mit seiner gelartigen Konsistenz um den Speisebrei. Klingt zwar unappetitlich, ist aber schöner als stĂ€ndiges Aufstoßen.

Redaktion
Merle Schonvogel
Ökotrophologin (B.Sc.), Expertin fĂŒr Food-Wissen
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