Die Fakten zu Gluten

Mythen aufgeklÀrt

Was steckt hinter den hÀufigsten Mythen rund um die Themen Zöliakie und glutenfreie ErnÀhrung? Die deutsche Zöliakiegesellschaft klÀrt auf.
Fotos & Text: FOODFORUM : ErnÀhrung und Gesundheit

„Ohne Gluten lebt man grundsĂ€tzlich gesĂŒnder und kann sogar abnehmen“

Nein, das stimmt nicht. Ein Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel ohne medizinische Notwendigkeit ist nicht empfehlenswert, denn glutenfreie Produkte sind nicht per se gesĂŒnder. Die ĂŒber 800.000 Zöliakiebetroffenen in Deutschland sind zwingend auf die glutenfreie ErnĂ€hrung angewiesen – fĂŒr Gesunde macht eine solche DiĂ€t jedoch keinen Sinn. Auch nicht, was das Gewicht angeht: Die Zusammensetzung von glutenfreien Fertigprodukten kann eine Gewichtszunahme sogar begĂŒnstigen. Die Produkte enthalten in der Regel weniger sĂ€ttigende Ballaststoffe, wodurch mehr gegessen wird. Außerdem sind sie durch das fehlende Klebereiweiß hĂ€ufig trockener. Um das auszugleichen und den Geschmack zu verbessern, ist meist der Anteil an Zucker und Fett höher, wodurch die Produkte teilweise mehr Kalorien enthalten, als vergleichbare herkömmliche Produkte. Deshalb nehmen einige Personen unter der glutenfreien ErnĂ€hrung sogar zu.

„Durch einen Schnelltest lĂ€sst sich Zöliakie schnell und sicher feststellen“

Schnelltests bieten keine Sicherheit, weshalb wir von der Verwendung definitiv abraten. Falsche positive Ergebnisse können ebenso auftreten wie eine voreilige Entwarnung. Zum einen sind nicht bei allen Betroffenen die im Test herangezogenen IgA-Antikörper nachweisbar, denn einer von 1.000 Menschen bildet diese Abwehrstoffe genetisch bedingt nicht aus. Zum anderen produzieren manche Menschen die typischen Antikörper, ohne von Zöliakie betroffen zu sein. Vertrauen diese Personen auf das Ergebnis des Schnelltests, bleibt die Zöliakie unerkannt und es wird weiterhin glutenhaltig gegessen, was Folgeerkrankungen begĂŒnstigt. Oder es wird lebenslang eine aufwĂ€ndige, strikte DiĂ€t eingehalten, die medizinisch nicht nötig ist. Die Diagnose Zöliakie lĂ€sst sich durch den Facharzt im Rahmen eines zweistufigen Diagnoseverfahrens, aus Blutuntersuchung und Gewebeprobe aus dem DĂŒnndarm, zuverlĂ€ssig stellen. Wichtig ist außerdem, dass man sich bis zur Diagnose weiterhin glutenhaltig ernĂ€hrt, denn eine vorsorgliche glutenfreie ErnĂ€hrung verfĂ€lscht das Ergebnis.

„Wer sich glutenfrei ernĂ€hrt, muss auf Genuss verzichten“

Verzicht auf Gluten ist kein Verzicht auf Genuss, denn mittlerweile gibt es eine Vielzahl an glutenfreien Alternativen zu allen möglichen Leckereien. Es gibt beispielsweise glutenfreie Pizza, Nudeln, Brot und Brötchen, Kekse, Kuchen, SĂŒĂŸigkeiten, Knabbereien und vieles mehr. Außerdem sind viele Grundnahrungsmittel, wie beispielsweise Kartoffeln, GemĂŒse, Obst, Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte, in unverarbeiteter Form von Natur aus glutenfrei und können weiterhin verzehrt werden. Es bedarf natĂŒrlich ein wenig Übung und auch Wissen, in welchen Lebensmitteln sich Gluten verstecken kann. Beim Einkauf sollten Betroffene aufmerksam die Zutaten lesen oder mit Hilfe der aktuellen Aufstellung glutenfreier Lebensmittel der DZG einkaufen. Speziell glutenfreie Produkte sind mit der Aufschrift „Glutenfrei“ oder dem „Glutenfrei“-Siegel der DZG gekennzeichnet. Dieses Symbol der durchgestrichenen Ähre gibt Betroffenen Sicherheit und lĂ€sst direkt auf einen Blick erkennen, dass ein Produkt sicher glutenfrei ist.

„Zöliakiebetroffene profitieren von dem Hype um glutenfreie ErnĂ€hrung“

Auch wenn der Hype um die glutenfreie ErnĂ€hrung zu einem stĂ€rkeren öffentlichen Fokus und zu einer VergrĂ¶ĂŸerung der Produktvielfalt fĂŒhrt, sehen wir das als Solidargemeinschaft fĂŒr Zöliakiebetroffene kritisch. Der Trend, sich ohne medizinische Notwendigkeit glutenfrei zu ernĂ€hren, hat zahlreiche MissverstĂ€ndnisse und Nachteile zur Folge. Betroffene, die zwingend auf die glutenfreie Kost angewiesen sind, werden z.T. weniger ernst genommen, wodurch das Kontaminationsrisiko bei der Speisenzubereitung extrem unterschĂ€tzt wird. Unter anderem deshalb, weil Gesunde, die sich ohne medizinischen Grund aus einem Trend heraus glutenfrei ernĂ€hren, die DiĂ€t hĂ€ufig nicht konsequent einhalten. Oft erfahren die Betroffenen in der Gesellschaft weniger Akzeptanz und UnterstĂŒtzung.

„Gluten wird als Klebereiweiß bezeichnet weil es den Darm verklebt“

Gluten verklebt nicht den Darm. Die Bezeichnung „Klebereiweiß“ beruht auf den positiven Eigenschaften des Glutens in Bezug auf die Teig- und GebĂ€ckbeschaffenheit. Bei gesunden Personen wird Gluten, wie jedes andere Protein in der Nahrung, von Verdauungsenzymen in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und ruft hierbei keine EntzĂŒndungen oder sonstige SchĂ€den hervor.

„Unter glutenfreier ErnĂ€hrung drohen MĂ€ngel an NĂ€hr- und Mineralstoffen“

Auch mit glutenfreier ErnĂ€hrung kann man sich ausreichend mit allen NĂ€hrstoffen versorgen. Es gibt jedoch einige Punkte, die kritisch sein können – gerade wenn viele glutenfreien Fertigprodukte verzehrt werden. Oft stimmt dann die QualitĂ€t der Kohlenhydrate nicht, d.h. man nimmt zu viel Zucker und einfache Kohlenhydrate und zu wenig Ballaststoffe zu sich. Bei den Vitaminen und Mineralstoffen kann bei Betroffenen nach der Diagnosestellung die Versorgung mit Eisen, Magnesium, Calcium, Vitamin D, Zink und FolsĂ€ure kritisch sein. Um diese Probleme zu vermeiden, sollten weniger Fertigprodukte, helles Brot, Kekse und SĂŒĂŸigkeiten verzehrt werden, sondern stattdessen auf eine vollwertige, ausgewogene ErnĂ€hrung geachtet werden. Die glutenfreie ErnĂ€hrung bietet fĂŒr Gesunde zwar keine Vorteile, sie ist aber auch nicht gefĂ€hrlich. Wichtig ist – egal ob bei glutenfreier oder glutenhaltiger ErnĂ€hrung – eine gesunde, abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl. Eine gute Orientierung bieten die 10 Regeln fĂŒr vollwertiges Essen und Trinken der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE).

Viele glutenfreie Rezepte findest Du hier.

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