Nat├╝rlich frischer Atem

Was tun gegen Mundgeruch?

Er ist unangenehm und ha╠łufig mit Scham belegt: Mundgeruch. Was wir mit der richtigen Erna╠łhrung dagegen tun ko╠łnnen
Text: Merle Schonvogel | Fotos: pixabay / Giuliamar

Was scha╠łtzen Sie, wie viele Bakterien sich in unserem Mund befinden? Die genaue Zahl ist natu╠łrlich schwer feststellbar und von Mensch zu Mensch unterschiedlich ÔÇô es sind aber mehrere Milliarden. In unserem Mund tummeln sich mehr Bakterien als es Menschen auf der Erde gibt.

Das klingt zuna╠łchst vielleicht absto├čend, ist aber normalerweise kein Grund zur Besorgnis, erkla╠łrt Dr. Johan Wo╠łlber, Zahnarzt, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universita╠łt Freiburg sowie Erna╠łhrungsmediziner. ÔÇ×Der Gro├čteil dieser Milliarden Bakterien ist harmlos, beziehungsweise sogar sehr nu╠łtzlichÔÇť, sagt er. ÔÇ×Einige helfen uns, die Nahrungsmittel fu╠łr die Verdauung vorzubereiten, wa╠łhrend uns andere vor Krankheitserregern schu╠łtzen.ÔÇť

Die guten leben normalerweise in einem Gleichgewicht mit den scha╠łdlichen Bakterien und halten sie in Schach.

Wie Mundgeruch entstehen kann

Schwierig kann es jedoch werden, wenn dieses Gleichgewicht gesto╠łrt wird, etwa durch den ha╠łufigen Verzehr su╠ł├čer Lebensmittel oder su╠ł├č-saurer-Getra╠łnke wie Softdrinks. Und wenn dann auch noch die Mundhygiene eingeschra╠łnkt ist, steigt nicht nur die Gefahr fu╠łr Karies, sondern es kann auch leicht Mundgeruch entstehen (medizinisch Halitosis, von lateinisch halitus: Atem, Hauch).

ÔÇ×Die Mundgeruch auslo╠łsenden Bakterien fu╠łhlen sich vor allem am Zungenru╠łcken, zwischen den Za╠łhnen und in Zahnfleischtaschen am wohlsten ÔÇô Orte, die zum Beispiel durch Za╠łhneputzen und die Verwendung von Interdental-Bu╠łrstchen sauber gehalten werden ko╠łnnenÔÇť, so der Zahnarzt. Passiert das nicht regelma╠ł├čig oder kommen Risikofaktoren wie zuckerreiche Erna╠łhrung oder Rauchen hinzu, wachsen und gedeihen die ungu╠łnstigen Bakterien und sorgen fu╠łr einen unangenehmen Geruch beim Ausatmen. ÔÇ×Dieser Geruch basiert auf geruchsaktiven Moleku╠łlen, die zumeist von Bakterien als Abbauprodukte von Aminosa╠łuren gebildet werdenÔÇť, erkla╠łrt Wo╠łlber.

Das ist beispielsweise der Fall, wenn man viel Fleisch isst.

Jeder vierte weltweit ist betroffen

Betroffen sind laut Deutscher Gesellschaft fu╠łr Parodontologie Menschen in fast allen La╠łndern der Welt a╠łhnlich ha╠łufig ÔÇô im Schnitt leidet jeder Vierte zumindest gelegentlich unter Mundgeruch. Wichtig zu wissen ist jedoch: Der Atem eines jeden Menschen riecht, geruchsfrei ist keiner. Aber in unterschiedlichem Ausma├č.

Nicht nur Speisereste zwischen den Za╠łhnen ko╠łnnen Auslo╠łser sein, sondern auch eine bestimmte Erna╠łhrung. ÔÇ×Die westliche Erna╠łhrungsweise ist gepra╠łgt von Zucker, Wei├čmehl, Transfetten und Softdrinks. Dadurch entzu╠łndet sich das Zahnfleisch, was ebenfalls zu Mundgeruch fu╠łhren kannÔÇť, so Wo╠łlber. Helfen ko╠łnnen hier eine Erna╠łhrungsumstellung und das Integrieren von Lebensmitteln in den Speiseplan, die aufgrund ihres hohen Gehalts an Antioxidantien entzu╠łndungshemmend wirken. Das sind zum Beispiel rote Beeren, rote Paprika, Tomaten, Mo╠łhren und Ingwer sowie Produkte, die reich an Omega-3-Fettsa╠łuren sind, wie fetter Fisch und einige Speiseo╠łle wie Raps-, Hanf- und Walnusso╠łl.

Selbsttest: Habe ich Mundgeruch?

Ob man selbst unangenehm aus dem Mund riecht, kann man ganz einfach feststellen, indem man einen Lo╠łffel nimmt, u╠łber die Ru╠łckseite leckt und nach 10 Sekunden daran riecht ÔÇô ist der Geruch unangenehm, sollte man sich mit dem Thema Mundgeruch bescha╠łftigen.

Hauptausl├Âser sind im Mund zu finden

Entgegen ha╠łufiger Annahmen ist in der Mundho╠łhle selber und nicht etwa in Magen oder Darm der Hauptgrund fu╠łr unangenehmen Geruch beim Ausatmen zu finden: ÔÇ×Etwa 80 Prozent der Fa╠łlle lassen sich darauf zuru╠łckfu╠łhrenÔÇť, so der Zahnarzt. Neben den bereits erwa╠łhnten Zahnzwischenra╠łumen spielt auch die Zunge eine wichtige Rolle, da sich hier die meisten Bakterien befinden. Nicht ohne Grund schauen sich A╠łrztinnen und A╠łrzte manchmal die Zunge an, um aufgrund der Farbe oder des Belags Hinweise auf Krankheiten zu bekommen.

Und apropos Krankheiten: In selteneren Fa╠łllen ko╠łnnen auch schwerwiegendere Gru╠łnde hinter Mundgeruch stecken. ÔÇ×Bei etwa 20 Prozent ist der Auslo╠łser stoffwechselbedingt und geht etwa auf eine Sto╠łrung der Darmmikrobiota, auf Diabetes, Sodbrennen oder eine Refluxerkrankung zuru╠łck. Oder aber er wird durch eine Nieren-, Leber- oder Atemwegerkrankungen verursachtÔÇť, erkla╠łrt Wo╠łlber. Wenn der Geruch also chronisch wird und u╠łber mehrere Tage oder Wochen anha╠łlt, sollten Betroffene zu ihrem Arzt oder ihrer A╠łrztin gehen und die Ursache abkla╠łren lassen.

Verbreiteter Irrglaube

Apropos Zunge: Wir alle haben mal gelernt, dass unsere Zunge an verschiedenen Stellen unterschiedliche Geschma╠łcker wahrnimmt: An der Spitze su╠ł├č, an den vorderen Seiten salzig, an den hinteren sauer und ganz hinten bitter. Das ist jedoch ein weit verbreiteter Irrglaube, der auf einen U╠łbersetzungsfehler vom Deutschen ins Englische zuru╠łckgeht.

Ein deutscher Forscher fand 1901 heraus, dass verschiedene Bereiche der Zunge unterschiedlich sensibel auf Geschmacksrichtungen reagieren. Ein amerikanischer Wissenschaftler stellte es Anfang der 1940-er- Jahre jedoch so dar, als seien die Bereiche mit geringerer Sensitivita╠łt gar nichtmit Rezeptoren ausgestattet. Inzwischen wei├č man, dass sich im Zungen-Zentrum weniger und an den Ra╠łndern mehr Geschmacksknopsen befinden ÔÇô die Rezeptoren fu╠łr die Geschma╠łcker aber relativ gleichma╠ł├čig verteilt sind.

Plant-based gegen Mundgeruch

Genauso wie es Lebensmittel gibt, die direkt oder indirekt Mundgeruch verursachen, gibt es auch solche, die helfen oder vorbeugen. ÔÇ×Neben der bereits erwa╠łhnten entzu╠łndungshemmenden Erna╠łhrung ist es sinnvoll, auf eine pflanzenbasierte Vollwertkost zu setzenÔÇť, so Wo╠łlber. Diese ist reich an Ballaststoffen, welche die Nahrung fu╠łr gute, pra╠łbiotische Bakterien in Mund und Darm sind.

Au├čerdem hilft es Betroffenen meist, wenn sie darauf achten, mehr zu trinken. Denn auch ein trockener Mund kann Mitursache fu╠łr unangenehmen Geruch sein, ha╠łufig bei a╠łlteren Menschen, die das Trinken vergessen. Am besten eignet sich Wasser, aber auch ein gru╠łner oder schwarzer Tee zwischendurch sind eine gute Idee: ÔÇ×Die enthaltenen Polyphenole wirken antioxidativ, das hei├čt, sie hindern Bakterien daran, sich zu vermehren und ihre Stoffwechselprodukte freizusetzenÔÇť, erkla╠łrt der Zahnarzt. ÔÇ×Der Tee wirkt wie eine natu╠łrliche Mundspu╠łlung.ÔÇť Also hei├čt es: Tee trinken und abwarten.

FAZIT: Mundgeruch ist weit verbreitet, aber oft harmlos. Mit der richtigen Erna╠łhrung ÔÇô pflanzenbasiert und reich an Antioxidantien ÔÇô ko╠łnnen wir ein Stu╠łck weit vorbeugen. Auch regelma╠ł├čige Flu╠łssigkeitszufuhr kann helfen. Dauern die Beschwerden la╠łnger an, sollten Arzt oder A╠łrztin befragt werden.
Redaktion
Merle Schonvogel
├ľkotrophologin (B.Sc.), Expertin f├╝r Food-Wissen
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