Run2Work

Abnehmen durch Laufen

Für alle, die an Diäten scheitern und keine Sportskanonen sind, hat Dr. med. Carsten Lekutat seine alltagstaugliche Methode für alle Lebenslagen entwickelt. Damit bleiben wir in Bewegung, bauen Stress und Fett ab und stärken uns auch geistig sdas
Text: Dr. med Carsten Lekutat | Fotos: unsplash: Tomasz Woźniak

Um mein Gewicht zu reduzieren, habe ich vor einigen Jahren angefangen zu joggen. Anfangs, als ich noch stark übergewichtig war, fiel mir das Lauftraining allerdings sehr schwer, trotzdem habe ich ab und zu versucht, mich durch den Wald zu quälen – nicht unbedingt zur Freude meiner Gelenke. Mit zunehmendem Gewichtsverlust bin ich jedoch immer häufiger und lieber in meine Laufschuhe geschlüpft. Trotzdem gab es immer wieder Tage, an denen ich mich zum Joggen nur mühsam überwinden konnte. Weil die positiven Auswirkungen eines regelmäßigen Lauftrainings auf die Gesundheit und die Gewichtsabnahme aber unbestritten sind, suchte ich nach einer geeigneten Motivation und kam schließlich auf die Idee, statt in die Praxis mit dem Auto zu fahren dorthin zu joggen (und abends wieder zurück).

Run2Work im Alltag leichter umsetzbar

„Run to Work“ nennt sich das auf Neudeutsch (verkürzt Run2Work), was natürlich viel cooler klingt. Der Vorteil daran: Das Laufpensum lässt sich so viel leichter in den Alltag integrieren. Mehr noch. Nach einem anstrengenden Sprechstundentag war es für mich oft Erholung pur, die zehn Kilometer nach Hause zu rennen. Der ganze Stress fiel dann von mir ab und mein Kopf wurde wieder klar. Nun habe ich aber auch Glück, weil meine Arztpraxis am Stadtrand liegt und mein Arbeitsweg fast nur über Wald- und Feldwege führt. Ein wahrer Luxus!

Nachdem ich mein Wunschgewicht erreicht hatte, wurde ich Anfang letzten Jahres jedoch zunehmend lauffaul. Immer häufiger fand ich Ausreden, weshalb ich nicht joggen konnte: schlechtes Wetter, ein schmerzendes Knie, ein beginnender Schnupfen, ein wichtiger Termin, der nur mit dem Auto wahrzunehmen ist und, und, und. Doch schon bald quittierte mein Körper die verminderte körperliche Bewegung mit einer leichten Gewichtszunahme. Auch diese redete ich mir anfangs schön: Dann sehe ich wenigstens nicht so ausgemergelt im Gesicht aus.

Run2Work: so klappt's!

Tipps von Maike Hohlbaum, Chefredakteurin "Running - Das sportliche Laufmagazin"

››  Zur Arbeit joggen – oder zurück nach Hause – ist eine sehr praktische Möglichkeit, das Laufen in den Alltag einzubauen und Zeit zu sparen. Ein bis zwei Pendelläufe unter der Woche ergeben mit dem Sport am Wochenende schon eine runde Sache!

››  Gehören Sie eher zum Team „Run2Work“ oder lieber zur Gruppe „Home Run“? Darüber entscheidet nicht zuletzt auch Ihr Arbeitsplatz. Haben Sie keine Umkleide und Dusche im Büro, ist der Home Run praktischer. Hierfür packen Sie am Morgen eine Tasche mit Laufoutfit, -schuhen, eventuell einer Stirnlampe und einem kleinen Laufrucksack. Ist die Arbeit getan, ziehen Sie sich in Ruhe um. Denken Sie an Ihren Schlüssel und Geldbeutel!

››  Auf dem Heimweg tun Sie nicht nur etwas für Ihre Ausdauer: Sie gewinnen auch gedanklich Abstand zur Arbeit. Mit einem Home Run umgehen Sie zudem das Gefühl, sich zum Sport erst aufraffen zu müssen, denn Sie verbinden das Angenehme (= Abschalten) mit dem Nützlichen (= Ausdauertraining).

››  Ist ihr Wohnort (zu) weit entfernt? Nutzen Sie für Teilstrecken Bus und Bahn. Je fitter Sie werden, desto länger können Sie laufen. Motivieren Sie weitere Kollegen und lernen Sie sie von einer neuen Seite kennen.

››  Für den „Run2Work“ deponieren Sie am Vortag Ihr Business-Outfit im Büro und laufen am nächsten Morgen dann in Sportbekleidung los. Genießen Sie diese Zeit! Sehen Sie beim frühen Joggen der Stadt zu, wie sie aufwacht – und Sie selbst mit ihr. Am Arbeitsplatz angekommen haben Sie ein wichtiges To Do bereits abgehakt: sich Zeit für Ihre Gesundheit zu nehmen.

Laufen nicht nur aus Vernunftgründen

Kommt Ihnen das bekannt vor? Und fragen Sie sich jetzt, welche Relevanz diese Geschichte für meine und Ihre Gewichtskontrolle hat? Ich werde es Ihnen gleich verraten. Meine Laufgeschichte geht nämlich weiter: Im Frühsommer letzten Jahres ist mir plötzlich eingefallen, dass ich mich ja für den Berlin-Marathon angemeldet hatte. Das hätte ich beinahe vergessen, weil die Anmeldung dafür fast ein Jahr im Voraus hatte erfolgen müssen. Nun näherte sich der Termin und mir wurde bewusst, dass mir noch etliche Trainingskilometer fehlten. Ich zwang mich also trotz eines anfänglichen inneren Widerstands wieder regelmäßig in die Praxis zu joggen – und zurück. Und merkte bald, wie es mir von Tag zu Tag leichter fiel und sich meine Kondition verbesserte. Als meine Frau mir eines Morgens anbot, mich mit dem Auto zu fahren, weil es unangenehm kalt und regnerisch war, zögerte ich keine Sekunde und sagte: „Nein, auf keinen Fall, ich laufe!“ Ehrlich gesagt: Meine spontane Entscheidung hat mich selbst etwas überrascht.

Was war passiert? Warum konnte ich dem verlockenden Angebot meiner Frau so ganz ohne Zaudern widerstehen? Allein mit meiner Marathon-Motivation und dem gestiegenen Trainingseffekt war das nicht erklärbar. Meine spontane Lauf-Entscheidung musste einen tieferen Grund haben, das wurde mir mit jedem Schritt klarer, während ich bei leichter Dunkelheit und Nieselregen durch den Wald in die Praxis trabte. Etwas in meinem Bewusstsein hatte sich offenbar verändert. Und auf einmal wusste ich es: Ich lief nicht mehr nur aus reinen Vernunftgründen, sondern aus voller Überzeugung. Das Laufen war zu einem Teil meiner Persönlichkeit geworden, es war unerschütterlich in mir festgeschrieben.

Abnehmen durch Laufen: In kleinen Schritten zu neuem Verhalten

Und genau das ist der Schlüssel zur Lekutat-Methode: in vielen kleinen Schritten zu einem neuen Verhalten zu kommen. Nur so habe ich es geschafft, über 20 Kilo abzunehmen und mein neues Gewicht auch auf Dauer erfolgreich zu halten. Denn jeder Schritt auf dem Weg zu meinem Wunschgewicht war klein genug, um nicht wirklich wehzutun oder ein Entbehrungsgefühl aufkommen zu lassen. Keine Crash-Diät, keine Formula-Diät
oder ein anderes Abnehmprogramm führt langfristig zum Erfolg. Diese Maßnahmen mögen manchmal durchaus sinnvoll sein, um schnell ein paar Kilos loszuwerden. Ich betrachte sie – nicht zuletzt auch in meinen Adipositas-Sprechstunden – jedoch eher als Interventionen, also als zielgerichtete Eingriffe, die wie eine Therapie durchgeführt werden sollten.
Um das Leben langfristig zu verändern, benötigen wir stattdessen eine konsequente Umprogrammierung unserer Persönlichkeit. Wir alle haben über Jahre durch kleine Mikroentscheidungen unsere Persönlichkeit geprägt. Nur leider waren wahrscheinlich viele dieser Entscheidungen nicht gesund für uns. Doch zum Glück ist das nicht für immer festgeschrieben. Denn genauso einfach wie die vielen nicht ganz so guten Entscheidungen unser Gehirn beeinflusst haben, können das auch viele positive Einflüsse tun. Und diese Chance sollten wir nutzen und z. B. in der Ernährung Ungesundes nach und nach durch Gesundes ersetzen, mal hier, mal da etwas weglassen und so langsam, aber hartnäckig die Kalorien- und Kohlenhydrataufnahme reduzieren. Durch meine kleinen Entscheidungen, die ich zu Beginn meiner Gewichtsabnahme getroffen habe, und den darauffolgenden Gewichtsverlust habe ich mir die Gewissheit geschaffen, dass ich zwar nicht alles, aber zumindest vieles in meinem Leben selbst steuern kann und dass mir das gut- tut. Diese Erkenntnis hat sich tief in meinem Gehirn festgesetzt. Ich brauchte dafür keine Meditationsseminare, keine Motivationstrainer und keine Verhaltenstherapie. Ich brauchte lediglich das Einführen und das Wiederholen von kleinen, gesunden Entscheidungen in meinen Alltag.

FAZIT: Abnehmen durch Laufen erfordert einen langen Atem. Denn es bedarf vieler kleiner Schritte, um sein Verhalten langfristig zu ändern. Und genau das bietet die Lekutat-Methode, die neben einer schrittweisen Ernährungsumstellung mit Run2Work auch ein alltagstaugliches Fitnessprogramm beinhaltet.
Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema?
HINWEIS: Um den Artikel zu kommentieren, melden Sie sich einfach mit Ihrem persönlichem Facebook-Account an.

FOODFORUM kennenlernen?

>> Eine Ausgabe kostenlos.