So viel Einwegplastik entsteht in der Küche – vom Einkauf bis zum Abwasch

Rund 38 Kilogramm Plastikverpackungsabfälle pro Kopf entstehen in Deutschland jährlich – und ein nicht unerheblicher Teil davon entsteht in der Küche. FOODFORUM erklärt, wo die meisten Plastikabfälle entstehen und wie man sie vermeiden kann
Text: FOODFORUM Redaktion | Fotos: unsplash, Everdrop

Plastik ist bekanntlich eine riesige Belastung für unsere Umwelt. Und das Schlimme ist: Die Mengen an Plastikmüll nehmen kontinuierlich zu. Wenn er durch falsche Entsorgung in die Natur gelangt, wird er dort nur sehr langsam zersetzt und stellt einen Fremdkörper in empfindlichen Ökosystemen dar. Er verschmutzt die Meere, wo er in die Mägen von Tieren gelangt oder diese sich in größeren Plastikstücken wie Netzteilen oder Ringen verfangen. Insbesondere auch winzigste Plastikpartikel, genannt Mikroplastik, die sich in Kosmetikartikeln wie Peelings oder Zahncremes befinden, belasten die Umwelt schwer. Sie sind wasserunlöslich, schwer abbaubar und können sich in Organismen anreichern. Und sogar früher oder später durch ihren Weg durch die Nahrungskette wieder auf unseren Tellern landen: So wurde schon in Fischen, Muscheln, Milch und Honig Mikroplastik gefunden. Und obwohl Mülltrennung in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist und auch Recycling gut funktioniert, ist Deutschland beim Thema Plastikmüll leider kein Vorreiter. Im Gegenteil: Europaweit zählen wir zu der Gruppe der stärksten Plastikmüllerzeuger. Dabei geht es auch anders! Und das gar nicht umständlich, sondern ganz einfach. Hier die besten Tipps zur Plastikvermeidung beim Thema Lebensmittel und Ernährung – vom Einkauf bis zum Abwasch.

Der Einkauf

Der größte Teil des rund um die Ernährung anfallenden Plastikmülls entsteht ganz am Anfang, nämlich beim Einkauf. Der Verpackungswahn der Lebensmittelindustrie ist mittlerweile so weit gekommen, dass selbst Gemüse und Obst, das eigentlich seine eigene, natürliche Verpackung – nämlich Haut und Schale hat ­­– nochmal in eine extra Plastikverpackung eingeschweißt wird. Teilweise auch bereits vorgeschnitten, um es den Kunden so bequem wie nur möglich zu machen. Aber nicht nur solche Extrembeispiele sind problematisch, auch Lebensmittel, die in irgendeiner Form verpackt sein müssen, um überhaupt transportierbar zu sein, wie beispielsweise Cerealien, tragen immense Mengen zum Gesamt-Plastikmüll bei. Dabei liegt die Lösung auf der Hand – und ist mittlerweile auch in fast jeder etwas größeren Stadt zu finden: Unverpackt-Läden sind erstmals 2014 aufgetaucht und der Trend zum müllfreien Einkaufen hat sich mittlerweile in fast jeder größeren Stadt durchgesetzt. Und so kann jeder ganz einfach plastikfrei einkaufen, wenn die eigenen Gefäße, beispielsweise aus Glas oder Edelstahl, zum Befüllen mitgebracht werden.

Aber auch wer keinen Unverpackt-Laden in der Nähe hat, kann beim Einkauf Plastikmüll reduzieren. Beispielsweise durch die Verwendung von Obst- und Gemüsenetzen oder den bewussten Griff zu Produkten, die mit nachhaltigen Materialien wie Papier oder Karton verpackt sind oder zumindest den Plastikanteil an der Verpackung auf das Mindestmaß reduziert haben.

An der Kasse die Waren dann in einen mitgebrachten Korb, Einkaufstrolley oder Jutebeutel anstatt in Plastiktüten zu packen, lohnt sich dann auch nochmal richtig. Denn eine durchschnittliche Plastiktüte ist lediglich 25 Minuten (!) in Gebrauch, bevor die Natur anschließend bis zu 10-15 Jahre mit dem Abbau des Kunststoffs beschäftigt ist.

 

 

 

 

Wiederverwendbare Netze oder Jute statt Plastiktüten zu nutzen tut dem Klima gut.

Foto: unsplash

Die Zubereitung

Der Einkauf ist zu Hause, die Lebensmittel ausgepackt – los geht’s mit dem Kochen. Auch bei der Lebensmittelzubereitung kann Plastik eingespart werden. Schneidebretter aus Holz haben gegenüber solchen aus Kunststoff die Nase vorn. Allerdings kommt es auch auf die Holzart an. Beim Kauf also bitte auf Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft achten. Apropos Holz: wo gehobelt wird, da fallen Späne – beim Kochen geht gerne mal was daneben, es tropft und kleckert. Zum Abwischen bietet sich dann Küchenrolle an, die aber leider meistens in Plastik verpackt verkauft wird. Außerdem fällt laut WWF fast jeder zweite Baum, der abgeholzt wird, für die Papierproduktion. Küchenrolle nimmt mit einem Verbrauch von durchschnittlich 19 Kilogramm pro Kopf und Jahr einen großen Anteil davon ein. Die nachhaltigere Alternative hat jeder bereits daheim: Geschirrhandtücher oder Lappen aus Baumwolle, die keinen Müll verursachen und außerdem eine lange Lebensdauer haben. Sie sind waschbar und helfen dabei, deutlich weniger Küchenrolle zu verbrauchen.

 

Resteverwertung und Entsorgung

Wird nicht direkt alles verarbeitet oder es bleiben nach dem Essen Reste übrig, lieber nicht zur Frischhaltefolie greifen, um die Lebensmittel abzudecken. Sie ist in der Herstellung sehr energieintensiv und landet nach einmaliger Benutzung im Müll. Bienenwachstücher sind zwar die nachhaltigere Wahl, haben allerdings keine besonders lange Nutzungsdauer und können nicht zu heiß gespült werden, da sie ab 62°C schmelzen. Deshalb ist die Vielfalt an Lebensmitteln, die mit Bienenwachstüchern verpackt werden kann, eingeschränkt. Rohes Fleisch oder Fisch eignen sich hierfür aus hygienischen Gründen nicht und auch fetthaltige Lebensmittel wie Wurst und Käse sollten gemieden werden. Grund ist, dass mögliche Schadstoffe wie Mineralölbestandteile oder Pyrethroide, die zur Bekämpfung eines Bienenschädlings eingesetzt werden, aus den Tüchern in die Lebensmittel übergehen können. Die beste und nachhaltigste Wahl sind deshalb wiederverwendbare Vorratsdosen aus Glas oder Edelstahl. Oder – wenn es nur ums schnelle Abdecken geht – funktioniert auch die alte und einfachste Technik: Teller auf Teller.

Was dann aber wirklich in den Müll soll, muss nicht unbedingt in einem Plastikmüllbeutel landen. Neuere „Bio-Müllbeutel“ aus recyceltem Polyethylen sind zwar eine Alternative mit besserer Ökobilanz im Vergleich zu normalen Müllbeuteln, allerdings dauert es ca. 6 Monate, bis sie zu 90% biologisch abgebaut sind, wodurch sie die Qualität des Komposts verringern, zu dem der Biomüll in Kompostieranlagen verarbeitet wird. Daher gilt in Sachen Müllbeutel das gleiche wie für alle Bereiche eines nachhaltigen Lebens: Die umweltfreundlichste Variante ist der Verzicht, zumal es nicht unbedingt ein Müllbeutel sein muss: wer einfach den Boden des Mülleimers mit etwas altem Zeitungspapier auslegt, verhindert die Ablagerung von Müllresten am Boden und kann seinen Müll, sobald der Eimer voll ist, ganz einfach in eine große Mülltonne auskippen. Auch Müllbeutel aus recyceltem (!) Papier sind eine gute Möglichkeit zur Entsorgung des Biomülls.

 

 

Schwämme aus Luffa sind nachhaltiger als die Kunststoffvariante und reinigen genauso gut.

Foto: unsplash

Der Abwasch

Ein klassischer Spülschwamm besteht in der Regel aus Schaumstoff. Die raue Unterseite, die Essensreste von Geschirr und Pfannen löst, ist aus Kunststofffasern zusammengesetzt, die mit harten mineralischen Partikeln beschichtet sein können. Mit der Benutzungszeit lösen sich langsam kleine Plastikwollfusseln ab – und landen im Abfluss. Öko-Spülschwämme mit einer Scheuerseite aus Sisal und einem Schwamm aus Cellulose sind auf den ersten Blick die sinnvollere Wahl, allerdings besteht die Verklebung der beiden Schichten meist aus Polyurethan. Eine echte umweltschonende Alternative ist der Luffaschwamm. Luffa? Der Schwammkürbis (Luffa aegyptiaca) gehört zu den Nutzpflanzen und wächst in tropischen Regionen. Trocknet man die Luffa aus, erhält man einen pflanzlichen Naturschwamm, der die ideale Alternative zu Kunststoff ist. Er reinigt ebenso gut, ohne dabei Kratzer in der Pfanne oder auf Geschirr zu hinterlassen.

 

Und auch beim Thema Spülmaschine lohnt es sich, zweimal hinzuschauen. Everdrop beispielsweise haben nachhaltige Spülmaschinentabs entwickelt, die unnötiges Einwegplastik, in dem Tabs häufig hergestellt werden, vermeiden. Außerdem sind sie vegan, ohne Mikroplastik oder Acrylate und biologisch abbaubar.

Foto: Everdrop
FAZIT: Vom Einkauf bis zum Abwasch entsteht viel Plastikmüll, der sich aber mit ein paar Tricks und richtigen Entscheidungen reduzieren oder sogar vermeiden lässt. Bei Bio- oder Ökolösungen lohnt es sich, nicht einfach blind zu vertrauen, sondern genau zu überlegen, ob es nicht noch eine nachhaltigere Variante gibt – die dann oftmals sogar noch günstiger ist!
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